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#106 RE: Herbstgedichte von Thomas Dietsch 09.10.2013 17:26

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Herbstimpressionen

Der Wind weht,
die Blätter fallen.
Der Spatz plustert sich auf,
ich greife zur dickeren Jacke.

Der Vogel sieht mich an,
ich schaue zurück.
Beide sind wir einig:
Mistwetter!

Sturm trägt die letzte Wärme des Sommers davon,
Kälte kriecht in die Knochen.
Gedanken verharren in sonnigen Tagen,
auf dem Weg zum Tor der Mystik.

Jedem Sommer folgt ein Winter,
Windräder drehen sich,
mit ihnen die Welt.
Kreislauf der Dinge!

Zwiesprache mit dem Vogel,
wir teilen die Welt.
Auch unsere Ansichten?
Gedanken an das Leben.

© Thomas Dietsch

#107 RE: Herbstgedichte von uwe hartig 11.10.2013 08:10

Jede Jahreszeit hat etwas, der Herbst hat für mich einen besonderen Zauber inne...

Er kommt...

Brausend bläst der Wind aus Westen,
unheimlich graue Wolkentürme vor sich her
Und lässt zum letzten Mal vielleicht,
des Sommers blaue Himmelaugen blitzen.
Mit seiner straff gespannten Schnur,
macht mir ein langschwänziger Drache, die Arme schwer....

Erde,
noch warm vom Sommerfeste,
deckt sich zur Nacht mit weißen Nebeltüchern zu.
Nicht weit entfernt, gleich dort im Blätterwald,
baut Frau Sonne eine bunte Stadt.
Ich laufe übers Feld und seh mich, an in Gold getauchten Stoppeln satt.
Und Wein, der eben noch satt in Reben hing, gibt sich gekeltert,
in seinem Faß zur Ruh.

Als es schon spät und kühl am Abend, da fröstelt mir im dünnen Kleid.
Gleich lenke ich verwegen, den Schritt hinein ins Dorf...
der Liebsten entgegen...
Vom Wegesrand, aus roten Astern, pflück ich ihr, einen Sternenregen.
Noch trägt der Garten letzte Früchte, bald ist er davon befreit,
derweil schwingt schon der Frost sein Henkerbeil,
der Sommer gibt dazu ihm seinen Segen.

Uwe Hartig

#108 RE: Herbstgedichte von hei43 02.11.2013 17:02

Nach dem Herbststurm

Still sind wieder des Himmels Lüfte,
kein düster Rauschen in Waldes Höh',
bunt verwirbelt der Bäume Segen,
vom Boden steigen modrig' Düfte.

Feuchte wirkt im herbstlichen Leben,
taucht bewegt ins Schweigen ein,
gelassen folgt dann neues Werden,
vergänglich aller Zeiten Streben.

© Heidrun Gemähling

#109 RE: Herbstgedichte von hei43 24.11.2013 20:33

Herbstliche Frühe

Noch friedlich ruht der Morgen
in wogenden grauen Nebelschwaden,
die den Fluss im Schummerlicht begleiten,
stille Begeisterung hervorrufen,
bis wärmende Strahlen
die feuchte kühle Idylle
langsam entzaubert,
der Frühe
ein anderes Gesicht verleiht.

© Heidrun Gemähling

#110 RE: Herbstgedichte von Leonore 23.07.2014 18:19

Abschied


Martina Lukits-Wally

Reifes Korn steht hoch im Feld,
bunt beleuchtet ist die Welt
von des Herbstes Farbenpracht.

Doch allmählich und ganz sacht
schwindet nun der Sonne Macht,
und ein kühler Nordwind weht.

Eine Rose noch im Beet,
deren Glanz auch bald vergeht,
nach der letzten Sonne lechzt.

Kahler Ast im Winde ächzt,
und ein schwarzer Rabe krächzt,
dann nur Stille ringsumher.

Unsre Herzen werden schwer,
wenn dann plötzlich und ganz leis
wir bedeckt vom ersten Weiß.

Ach, wie sehnt man sich jetzt sehr
nach des Frühlings Wiederkehr!
Er kommt wohl in Feld und Flur,
schmückt mit Farben die Natur.
Doch im Leben, hart und schwer,
kehrt der Frühling nimmermehr.

#111 RE: Herbstgedichte von Andere Dimension 16.08.2014 13:57

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Kammerspiel

Der Regen füllt die leeren Kammern,
Bäche stürzen, Wiesen schlucken,
Dort wo Erlen, Eiben jammern,
Wenn die Blitze talwärts spucken.

Doch noch blüht, in Gottvertrauen,
Moos und Farn an allen Wegen
Und ich weiß; am Kinn der Auen
Gehe ich dem Herbst entgegen.

#112 RE: Herbstgedichte von Leonore 23.08.2014 20:24

Blatt im Wind


Martina Lukits-Wally

Wenn spät im Herbst die Blätter fallen
und sie nichts mehr am Baume hält,
dann denk ich mir, ja wir, wir alle
sind wie ein Blatt auf dieser Welt.

Im Frühling grün und unerfahren
hängt dieses Blatt an einem Ast,
dem Sturme trotzend dein Gebaren,
weil du noch viele Kräfte hast.

Es geht der Sommer, auch im Leben,
du bist gefesselt an den Baum.
Du möchtest frei sein, fliegen, schweben,
doch vorerst bleibt dies nur ein Traum.

Und wenn dein Traum sich dann erfüllt,
ist es zu spät, die Sonne sinkt,
ins Nebelgrau bist du gehüllt,
bang zitternd hängst du nun im Wind.

Erbarmungslos wirst du gerissen
vom Baume dann und segelst fort,
nur kurz kannst Freiheit du genießen,
gebracht wirst du zum Sammelort.

Den letzten Weg den musst du gehn,
eh du verbrannt oder verscharrt.
Ein neues Blatt wird bald entstehn,
ein junger Mensch, ein neuer Start.

#113 RE: Herbstgedichte von hei43 07.09.2014 18:13

Langsam wird es Herbst

Nebel schweben durch Straßen,
unmerklich schiebt sie der Wind,
es ist noch früher Morgen,
verhalten Menschen noch sind.

Durch modrig feuchte Lüfte
dringt heller werdender Schein,
belebt der Frühe Wirken,
Alltägliches stellt sich ein.

Die Uhren gehen weiter,
folgen unbeirrt der Zeit,
erste Blätter fallen schon
vom herbstlichen Farbenkleid.

© Heidrun Gemähling

#114 RE: Herbstgedichte von Andere Dimension 08.09.2014 09:16

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Komposition/Fernweh

Patschuliflimmern
Hinter den Sicheldünen
Herbstlakenstille

#115 RE: Herbstgedichte von hei43 09.09.2014 18:43

Farben der Lüfte

Durch fein gesponnene Fäden
begrüßt der Morgen den Tag,
es weht eine kühle Brise,
wie der Herbst es natürlich mag.

Das Grün der Blätter entschwindet,
des Sommers Zeit ist vorbei,
bunte Wunder zieren Lüfte,
abgelöst und völlig frei.

Tanzen nach des Windes Willen,
der sie trägt begeistert fort,
mal nach oben, mal nach unten
bis zum letzten Ruheort.

© Heidrun Gemähling

#116 RE: Herbstgedichte von Andere Dimension 24.09.2014 08:42

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Matinee

Zum Herbstsorbet
im Lichthof einer Streuobstwiese
serviert uns der Oktober
den virtuosen Gesang
eines swingenden
Morgens

#117 RE: Herbstgedichte von baroque 29.09.2014 19:52

Der Herbst ist eine schöne Zeit;
hält manchen Schnupfen für uns bereit.
Dann sieht man viele Nasen laufen
und man muss Taschentücher kaufen.
Auch dieses sieht man allemal:
Die Bäume werden kahl!

baroque

Zen-Meister Ikkyû Sôjun zu einem Verzweifelten:
„Ich würde gerne irgendetwas anbieten, um Dir zu helfen,
aber im Zen haben wir überhaupt nichts.“

#118 RE: Herbstgedichte von hei43 21.10.2014 16:33

Eine Mohnblüte im Herbst

Regen fällt aus grauen Wolken,
bunte Blätter treibt der Wind
übellaunig in die Gräber,
wo bereits schon andre sind.

In der Nähe steht erhaben
eine rote Blütenpracht,
frisch entsprungen einer Kapsel,
wunderschön von Gott erdacht.

Blicke schauen voller Freude
in den zweiten Frühling rein,
innen rührt sich Seelenfrieden,
erhellen so das herbstlich' Sein.

© Heidrun Gemähling

#119 RE: Herbstgedichte von hei43 01.10.2015 13:48

Herbstliche Düfte

Blatt auf Blatt fällt Herbstliches,
wandelt den Waldboden in ein Meer
farbiger Schönheit, dessen Vergänglichkeit
die modrig feuchten Düfte zu Momenten
des Besonderen drängt,
der Zeit Charme verleiht.

© Heidrun Gemähling

#120 RE: Herbstgedichte von Argus 06.10.2015 18:15

Ernte verdankt


Im Herbst hält Mutter uns
in Beschlag unter einem
riesigen Sieb zum Sei(h)en

erstreckt sich unser Horizont
über ein paar Felder und Wiesen

passieren wir die Beeren und
Trauben von den Wegrändern

blicken wir unermüdlich auf
ein saftblaues Baumwolltuch

das ist jetzt unser Himmel


(C) Enno Ahrens (Argus)

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