Seite 5 von 14
#61 RE: Tiergedichte von Fonsi 04.07.2010 10:16

Die Pfütze

Ein Mädchen tanzte Ringelreihn
um eine Pfütze, sprang hinein
und hüpfte hin und hüpfte her,
bis Mutti sprach:"Das spritzt so sehr!"
Man sah, das war kein Wasser,
denn dieses ist viel blasser.

Gleich nebenan stand Daniel
mit seinem Cocker Spaniel.
Er sprach zum Cocker-Fräulein:
"Ich schäme mich, du Säulein!"

Alfons Pillach

#62 RE: Tiergedichte von Fonsi 04.07.2010 10:37

Man erinnert sich sicher noch an Bruno - ein Braunbär - der vor ein paar Jahren im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet herumzog, Haus- und Nutztiere, vor allem Schafe, schlug und deshalb zum Abschuß freigegeben wurde. Im Juni 2006 wurde er erlegt, nachdem man ihn nicht lebend fangen konnte.


In Memoriam

Es war einmal ein brauner Bär,
der streifte hin und streifte her,
durch Wiesen und durch Wälder,
durch Höfe und durch Felder;
doch weil der Bär die Schafe riss
und ihnen schlimme Wunden biss,
verfolgten ihn die Häscher
mit Hunden und mit Käscher.
Doch Bruno-Bär war viel zu klug,
und das war schließlich Grund genug,
ob seiner Missetaten,
den Abschuss anzuraten;
denn unter seinem Zottelschopf
befand sich ein sehr schlauer Kopf;
zu schlau, um ihn zu jagen,
man wollte seinen Kragen.
Drum hat man ihn erschossen.
Wie ist sein Blut geflossen!

Es war einmal ein brauner Bär,
der streifte hin und streifte her,
im Lande seiner Ahnen,
sich seinen Weg zu bahnen.
Dort gab es auch mal Wölfe,
dann schlug es leider Zwölfe:
Der Mensch vertrieb aus „seiner“ Flur
mit Wolf und Bär ein Stück Natur.
So hatte Bruno hier gestört,
weil dieses Land jetzt dem gehört,
der jeden Baum und jedes Blatt
von Wolf und Bär gestohlen hat.

Alfons Pillach


***

Dieses und viele weitere Tiergedichte von Alfons Pillach gibt es in dem eBook




Kurzgeschichten online

#63 RE: Tiergedichte von Fonsi 05.07.2010 10:10

Bananas

Klein Pinguin saß auf einem Eisberg
und hatte ein bißchen gefroren,
da wünschte sich der putzige Eiszwerg:
Wär' ich doch auf den Bahamas geboren.

Klein Pinguin reiste auf die Bahamas,
fand aber dort kein Glück,
er mochte einfach keine Bananas,
da ging er auf seinen Eisberg zurück.

Alfons Pillach

[ Editiert von Fonsi am 05.07.10 10:31 ]

#64 RE: Tiergedichte von Fonsi 05.07.2010 10:26

Peterchen

Mein Wellensittich Peterchen
hat grüne Sittichfederchen.
Sein Federkleid wird lichter,
neulich war’s noch dichter.
Es dauert nicht mehr lange,
und er sitzt auf der Stange
als nackter Minipapagei,
was ich ihm nicht so leicht verzeih'.
Dann ist er nämlich nicht mehr schön,
und nackig ist er so obszön.

Alfons Pillach

#65 RE: Tiergedichte von Fonsi 05.07.2010 10:36

Streifen

Im Käfig auf der Fensterbank,
gleich neben einem Küchenschrank,
saß hinter dünnem Stahlgestänge
ein Hamster in des Käfigs Enge.
Und Bianca, die so gern ihn wollte,
sah niemals, dass der Hamster grollte.
Der Grund war nicht die alte Küche
und ihre beißenden Gerüche.
Das, was den Hamster so empörte,
war, dass es Frauchen niemals störte,
dass er die Welt, ob fern ob nah,
durch Käfigstangen streifig sah.

Alfons Pillach

#66 RE: Tiergedichte von Fonsi 05.07.2010 10:44

Noah, Du weinst ja!

Die Arche war fertig, und es rief Noah
die Tiere zum Hausboot mit lautem ‚Alloah!’.
Sie gingen alphabetisch an Bord,
nicht einmal den Holzwurm jagte er fort,
obwohl Noahs Arche, sein ganzer Stolz,
gebaut war aus echtem Zedernholz.
Nachdem er die Eule aufs Achterdeck steckte,
weil sie eine Seekuh backbords erschreckte,
sprach zu ihm besorgt seine liebende Frau:
„Noah, Du weinst ja! Ich seh’ es genau!“
Warum Noah weinte, ist keinem bekannt,
vielleicht, weil er keinen Steuermann fand;
oder er dachte, dass auf seiner Arche
bei Vollmond der schläfrige Hamster schnarche.
Glaubte Noah womöglich, an Bord
hasst man den Schnarcher, und es gibt Mord?
Und an der Reling lag eine Boa,
die schluchzte und heulte genauso wie Noah.

Alfons Pillach


***

Dieses und viele weitere Tiergedichte von Alfons Pillach gibt es in dem eBook




Kurzgeschichten online

#67 RE: Tiergedichte von mande 05.07.2010 11:19

Katz und Spatz,
oder wie das Leben so ist manchmal


Ich hörte fröhlich singen,
einen kleinen Spatz
und sah die Katze springen,
mit einem Riesensatz!
Die Stimme, sie verstummte,
nur eine Fliege summte.
Die Katze, sich die Foten leckt
und grinst: ´Hat gut geschmeckt!´

@Manfred Schröder

--------------------------------------------------

Zenmeister Ikkyû Sôjun zu einem Verzweifelten:
„Ich würde gerne irgendetwas anbieten, um Dir zu helfen, aber im Zen haben wir überhaupt nichts!“


[ Editiert von mande am 05.07.10 19:36 ]

#68 RE: Tiergedichte von mande 05.07.2010 19:29

Hippocampus

Ein Pferd, es fiel einst in den See
und kam nie mehr ans Land.
Der Brehm hatte dann die Idee,
und es Seepferdchen genannt!

@Manfred Schröder
--------------------------------------------

Zenmeister Ikkyû Sôjun zu einem Verzweifelten:
„Ich würde gerne irgendetwas anbieten, um Dir zu helfen, aber im Zen haben wir überhaupt nichts!“



[ Editiert von mande am 05.07.10 19:34 ]

***

Dieses Gedicht gibt es auch auf dem Tiergedichte-Blog

#69 RE: Tiergedichte von mande 07.07.2010 10:05

Aegithalos caudatus

Klein, fast unscheinbar,
weisst du doch zu gefallen.
Mit einer Stimme, hell und klar,
lässt du dein Lied erschallen.
Uns zur Freude und Genuss,
Aegithalos caudatus!

@Manfred Schröder

***

Dieses Gedicht gibt es auch auf dem Vogelgedichte-Blog

-------------------------------------------------------------
Zen-Meister Ikkyû Sôjun zu einem Verzweifelten:
„Ich würde gerne irgendetwas anbieten, um Dir zu helfen, aber im Zen haben wir überhaupt nichts.“

[ Editiert von mande am 07.07.10 10:34 ]

#70 RE: Tiergedichte von Fonsi 07.07.2010 14:22

Hallo Manfred,

mich erfreuen immer Gedichte, in denen es gelingt, in nur vier Zeilen eine Aussage zu machen. Das ist gar nicht mal so leicht! Dir ist das jedoch bei den beiden Gedichten (Fuchs und Seepferdchen) gut gelungen. Auch Deine anderen Tiergedichte sind für mich sehr anregend, da ich selbst viel über Tiere in Gedichten geschrieben habe. Weiter so! Lese ich immer gerne!

Grüße, Alfons

#71 RE: Tiergedichte von Fonsi 12.07.2010 11:53

Heldentum

Auf meiner Schreibtischlampe saß
einst eine kleine Mücke
und während sie die Welt vergaß,
schlich ich heran mit Tücke.

Sie ahnte meine Hinterlist
und sah die Fliegenpatsche,
doch, weil Courage oft Dummheit ist,
blieb sie und wurde Matsche.

Sie wußte nicht: Dumm ist der Held,
der, treu der Heldenpflicht,
zu seinem Ehrenkodex hält
und sich die Knochen bricht.

Alfons Pillach


***

Dieses und viele weitere Tiergedichte von Alfons Pillach gibt es in dem eBook




Tiergeschichten online

#72 RE: Tiergedichte von Fonsi 17.07.2010 10:18

Ein Späßlein

Es stürzte ein Häslein
über ein Gräslein
und fiel auf sein Näslein.
Das Gras ließ ihn purzeln
über die Wurzeln.
Der Hase wollt’s beißen
und zerren und reißen.
Da flehte das Gräslein
zum wütenden Häslein:
„War doch nur Späßlein!“

Alfons Pillach

#73 RE: Tiergedichte von Fonsi 17.07.2010 10:30

Belohnung einer Heuschrecke

Sie sprang sehr hoch und furchtbar weit,
sie war die beste ihrer Zeit.
Sie sprang mit einem Riesenschwung,
und meisterhaft war jeder Sprung.
Sie sprang Rekorde, doch wie schade,
sie kam nie zur Olympiade.
So blieb sie lang, vom Glück verhöhnt,
trotz großer Weiten ungekrönt.
Zum Schluss sprang sie in Sperlings Wohnung
und dort bekam sie die „Belohnung“.

Alfons Pillach


***
Dieses Gedicht gibt es auch auf dem Heuschrecken-Blog


***

Dieses und viele weitere Tiergedichte von Alfons Pillach gibt es in dem eBook




Kurzgeschichten online

#74 RE: Tiergedichte von Aramesh 19.07.2010 10:13

Die schwarze Katze
© Barbara Naziri

„Du denkst, dass ich so einfach kratze",
spricht zu mir meine schwarze Katze.
"Dem ist nicht so, Du musst verstehn,
ich will nur meiner Wege gehn.

Auch Zärtlichkeit ist mal genug.
Mir liegt er ferne, der Betrug,
die Hand zu kratzen, die mich pflegt,
mir Fressen gibt und mich umhegt.

Doch eines stell ich hier mal richtig:
Schau, meine Freiheit ist mir wichtig.
Ein Untertan kann ich nie sein,
auch nicht aus Liebe, nicht zum Schein.

Du bist mein Mensch, ich mag Dich sehr,
ich bin nicht Sklave, Du nicht Herr.
Hab ich als Katze sieben Leben,
will ich Dir gerne eines geben.


***
Dieses Gedicht gibt es auch auf dem Katzengedichte-Blog

#75 RE: Tiergedichte von Zentoolino 21.07.2010 12:35

avatar

Vogel Strauß

Ich lief so im Savannensand,
da hab ich mich erschrocken.
Es stand ein Tier, gar nicht galant,
dreibeinig, ohne Socken.

Ich frag, was ist das für ein Tier,
sieht aus, wie aus der Fabel.
Ich pack ein Bein, da zeigt es mir,
statt Fuß, den Kopf mit Schnabel.

Es glotzt mir dumm ins Angesicht,
setzt einen Vogelhaufen.
Nicht einmal fliegen kann es nicht,
das Viecht, das kann nur laufen.

© Leonore Enzmann

***

Dieses Gedicht gibt es auch auf unserer Tiergedichte-Website

Xobor Xobor Community Software
Datenschutz