#1 Das leichte Opfer - Eine Bewerbungskurzgeschichte von Christian Burgmeister 29.08.2014 17:18

avatar

Ein leichtes Opfer – Eine Kurzgeschichte von Christian Burgmeister

Anmerkung des Autors: Dieser Entwurf ist Teil einer Geschichte, die ich als Bewerbung verfassen muß um in ein Horror-Forum aufgenommen zu werden. Die Story ist also ein erster Testlauf ob ich mich in die richtige Richtung bewege.


Die kalten Hände des Vampirs berührten zart die weiche Haut der Frau, dessen schlafender Körper vor ihm lag. Bisher hatte sie keine seiner Berührungen gespürt, auch nicht als Arthur seine Hände unter die Bettdecke schob um sich am Gefühl ihrer pulsierenden Adern zu erfreuen.

Arthur empfand etwas Besonderes. Die schlafende Schönheit vor seinen Augen hatte es ihm angetan. Zugern wollte er seine Fangzähne in die Venen der Frau pressen, um sich von ihrem Blut zu nähren. Doch er konnte es nicht.

Was zuvor in seinem langen Leben eine leichte Aufgabe war wurde, heute Nacht zu einem Desaster. Ein Vampir der keine Lust verspürte sein Opfer zu beißen war in der Welt des Grauens undenkbar. Oder etwa nicht?

Dabei war Arthur nicht erst seit gestern ein Vampir. Seine Existenz begann vor vielen Dekaden. Er hatte im Laufe der Jahre vergessen sein Alter zu zählen, es spielte keine Rolle, war völlig unbedeutend für ein Wesen, dessen Äußeres in keiner Minute altern würde.

Was aber von sehr großer Bedeutung war, war die Tatsache dass er es nicht wagte diese Frau im Bett, die völlig wehrlos vor ihm lag zu beißen.

Warum funktioniert das nicht, dachte sich Arthur während sein Magen ihn in aller Deutlichkeit offenbarte, dass es Zeit war sich zu ernähren. Ein Gefühl unglaublicher Gier baute sich im inneren des Vampirs auf, eine Gier die genauso groß war wie sein Hunger.

Arthur schloss die Augen und ergründete seine Gefühle. Hatte ein Vampir überhaupt Gefühle? Normalerweise waren Vampire lebende Tote, die ihren Gräbern entwichen um sich vom Blut der Lebenden zu ernähren. So schrieben es zahlreiche Chronisten in ihren Werken und so stand es in jedem Lexikon, das Arthur je zu Gesicht bekam.

Der süße Duft von Rosen drang in seine Nase. Es war der Duft einer Frau, die sich vor dem schlafen gehen mit einem Parfüm bedeckte, so als wolle sie ihren Träumen offenbaren, dass sie sich auf Männerfang befände. Eine verlockende Vorstellung, fand Arthur weil er sich nur zu gerne vorstellte, dass eine Lady eben diese Handlung explizit für seine Person ausführte.

Die Augen des Vampirs öffneten sich langsam. Noch immer lag die Frau regungslos im Bett. Sie schien nicht mal zu schnarchen oder Anstalten einer Bewegung zu machen. Arthur könnte alles mit ihr anstellen, was seine Fantasie ihm erlauben würde und sie würde sich dem nicht entgegen stellen.

Seine Augen fuhren durch das Bett. Das Lacken, die Bettdecke und das Kopfkissen waren weiß. Der Kontrast der nackten Haut ihrer Beine, ihr rötlicher Kopf und diese Blonden, lange Haare waren das einzige was dem ganzen etwas Farbkontrast gab.

Seine Blicke fielen auf ein Bild an der Wand. Es zeigte eine schlafende Schönheit in einem weißen Bett, dessen Bein unter der Decke hervorguckte. Genau wie die Dame im Bett hier. Das Bild zeigte außerdem eine rote Rose auf dem Kopfkissen, die vermutlich von einem heimlichen Verehrer auf das Kissen gelegt wurde. Neben dem Bett auf einem Nachtisch stand eine Vase mit roten Rosen, bereit gepflückt zu werden und eine vorbestimmte Position im Bett einzunehmen.

Ein leises Seufzen war unerwartet von der Dame, dessen Name Arthur nicht kannte, zu hören. Es klang wie das Seufzen angesichts einer Abweisung. Eine Vorstellung, die Arthur schnell verinnerlichte um dem Glauben zu verfallen, es wäre seine Chance.

Der Vampir war gefangen von seinen Fantasien, gefangen vom Anblick dieser Frau. Er hörte nicht die Schritte im Flur, die langsam aber sicher auf sein Zimmer zugingen. Eigentlich konnte er die Schritte klar und deutlich hören, sie waren so laut und störend wie der pochende Kopfschmerz, den er als Mensch zu Lebzeiten empfinden konnte. Er ignorierte das Geräusch bis zum Moment, als es unvermeidlich wurde sich dem Problem zu stellen.

„Wer sind sie? Was tun sie hier?“, schrie plötzlich die Stimme eines alten Mannes, der die Tür öffnete weil er nach dem Rechten sehen wollte.

Arthur unterlag einer Schrecksekunde, was für einen Vampir kaum denkbar war. Er hatte das Geräusch tatsächlich solange ignoriert, bis ein Mensch ihn bei seinen Taten aufspürte? War es so weit gekommen?

„Kind. Wach auf! Du bist in großer Gefahr!“, schrie der alte Mann.

Das war zu viel für Arthur. Er schloss seine Augen und fixierte die Schritte des alten Mannes, der auf ihn losstürmte und packen wollte. Doch er hatte keine Chance mit der Stärke und der Schnelligkeit eines Vampirs mitzuhalten.

Mit einer schnellen Bewegung packte Arthur den alten Mann an die Kehle und drückte seine kalten Hände so fest er konnte in seinen Hals. Dabei drangen seine Fingernägel durch die Haut tief in sein Fleisch ein. Das Blut lief ihm über seinen Hals und auch Arthurs Hände blieben nicht verschont.

„Willst du es wagen dich mir entgegen zu stellen, Sterblicher?“, wollte Arthur wissen und fauchte den Störfaktor verächtlich an.

„Du willst deine Tochter vor mir retten? Ja? Ist dem tatsächlich so, Du alter Narr?“, schrie der Vampir den alten Mann wütend an und hob ihn vom Boden der Tatsache bis er vor ihm in der Luft baumelte.

„Es kostet mich nur einen Augenblick dich deines Lebens zu befreien!“, verdeutlichte Arthur dem Alten seine Situation und drückte noch fester zu. Der Alte röchelte und versuchte den festen Griff des Vampirs zu lösen, schaffte es aber nicht. Der Versuch machte Arthur nur noch wütender.

Arthur warf den Alten gegen die Tür, durch die er sich Eintritt in das Zimmer verschaffte. Mit einer Bewegung schneller als das Licht beugte sich Arthur über den Körper des alten Mannes, presste seine Fangzähne in seine Adern und trank von seinem Blut.

Der Körper des alten Mannes zitterte und zuckte mit jedem Schluck, den Arthur trank. Seine Augen wurden immer größer und quollen schließlich aus den Augenhöhlen. Das Herz blieb stehen, als das Blut aufhörte die Herzkammer mit dem wichtigen Blut zu versorgen und einen Augenblick später setzte auch sein Atem aus. Er bewegte sich nicht mehr und es gab kein Anzeichen von Leben in seinem Körper. Die leere Hülle war vollständig ausgesaugt. Arthur hatte ihm nicht mal genügend Blut gelassen, um sich zu einem Weggefährten zu verwandeln.

Arthur starrte den Alten, der seine Fantasien störte, eine Weile an bevor er sich wieder der namenlosen Lady im Bett zuwandte. Die Dame hatte aus einem Arthur nicht bekannten Grund von der Szene hier nichts mitbekommen.


Während das letzte Blut aus den Öffnungen des alten Mannes entwich ging Arthur wieder zum Bett seines Opfers. Sie schien noch immer regungslos zu schlafen.

Warum wurde sie von seinen Taten nicht geweckt, fragte Arthur sich und fand keine passende Antwort darauf. Gesättigt vom Blut des alten Mannes war es ihm jetzt möglich sich voll und ganz der jungen Lady zu widmen.

Erinnerungen durchbrachen Arthurs Geist. Die Erinnerung an ein junges Mädchen das mit ihm im finsteren Mittelalter im Dorf seiner Geburt lebte. Der Vampir tastete jeden Gesichtszug der Frau im Bett ab und verglich die Konturen mit seiner Erinnerung. Alles passte genau, die namenlose Frau war das exakte Abbild der jungen Magd Yvonne, in der Arthur seiner Zeit unsterblich verliebt war.

Hätte Arthur ein lebendes Herz gehabt, es würde jetzt höher schlagen und vor Begierde aufgebehren. Doch sein Körper war schon lange Tod und er hatte das Gefühl der Liebe vergessen, nicht aber die Leidenschaft denn die steckte noch immer in ihm.

Mit jeder Mahlzeit wurde er an diese Gefühle erinnert, wenn sich der Deckel seines Grabes öffnete und das unbändige Verlangen nach Blut mit ihm erwachte. Der Vampir traf eine Entscheidung.

„Wach auf, meine Angebetete.“, forderte der Vampir den noch immer ruhenden Körper auf. „Folge mir in die Nacht und erfülle dein Schicksal.“

Doch die Frau kam der Aufforderung nicht nach. Der Ruf des Vampirs konnte den schlafenden Körper nicht erwecken. Plötzlich hatte Arthur ein grausiges Gefühl. Er pflückte eine Rose, in der Hoffnung sich dadurch besser zu fühlen und legte die duftenden Blätter auf ihr Kopfkissen ab. Alles war so, wie es das Gemälde an der Wand beschrieb.

Bis Arthurs Augen auf den Boden fielen und eine kleine Ampulle unter ihren Bett liegen saß, die mit einer blauen Flüssigkeit zur Hälfte gefüllt war. Arthur griff nach der Flasche, öffnete den Deckel und konnte den bitteren Geruch von Gift wahrnehmen.

#2 RE: Das leichte Opfer - Eine Bewerbungskurzgeschichte von Gast 29.08.2014 18:53

Mein erster Kommentar für Dich gilt auch für diese Geschichte. Ich würde mich damit nicht bewerben, es sei denn, der Maßstab in diesem Forum ist entsprechend. Aber das ist nur meine Meinung, andere Leser können das anders sehen.

#3 RE: Das leichte Opfer - Eine Bewerbungskurzgeschichte von Andere Dimension 29.08.2014 20:19

avatar

Zitat
Die kalten Hände des Vampirs berührten zart die weiche Haut der Frau, dessen schlafender Körper vor ihm lag.



Schon der erste (katastrophale) Satz lässt nur eine Antwort zu: "Lass es"!

Xobor Xobor Community Software
Datenschutz