#1 Abenteuer mit Billy von Astrid 16.11.2014 19:57

Eines Tages beschloß eine meiner Freundinnen – ich nenne sie mal Kerstin – mit mir zu IKEA zu fahren, ein Regal zu kaufen, es mit mir zusammen aufzubauen und einzuräumen und am Abend kämen dann Gäste zum Racletteessen.
Für die Fahrt zu IKEA und den Einkauf hatte sie ungefähr eine Stunde eingeplant. Diese Zeitplanung hatte schon mal gar nichts mit der Wirklichkeit gemein. Selbst wenn man sich die Möbelausstellung spart, sondern sich auf direktem Weg in die Verkaufshalle begibt, wird man auf dem Weg zu dem gewünschten Gegenstand an einer gefühlten Million Teile vorbeigeführt, die man eigentlich gar nicht auf seiner Einkaufsliste hat, bei denen man aber doch ein klein wenig ins Überlegen kommt. Wir beschlossen, ohne nach links und rechts zu schauen auf direktem Wege zu den Regalen durchzumarschieren. Dieses hehre Vorhaben scheiterte jedoch an im Gang herumstehenden Menschentrauben, die sich nicht entscheiden konnten, welche Kissenfarbe nun zu ihrer Sofafarbe am besten aussieht und ob sich das Hochzeitsfoto von Ralf und Michaela am besten in einem weißen, einem schwarzen oder einem silbernen Rahmen macht.
Als wir es endlich geschafft hatten und erschöpft wieder in Kerstins Wohnung ankamen, hatten wir genau noch 5 Minuten Zeit bis zum Eintreffen der Gäste. Wir hofften jedoch, daß diese ohnehin nicht pünktlich sein würden, zumal von den notorischen Zu-Früh-Kommern diesmal niemand auf der Gästeliste stand.
Die nächste Schwierigkeit ergab sich dadurch, daß ich noch nie ein Billy-Regal aufgebaut hatte. Kerstin auch nicht, aber sie behauptete, beim Zuschauen bereits so viel gelernt zu haben, daß sie es jetzt allein könne.
Billy hatte dazu offensichtlich eine andere Meinung. Tatsächlich schien dieses Regal einen eigenen Willen zu haben, und aufgebaut zu werden, gehörte allem Anschein nach nicht zu den Dingen, die er momentan wollte. Jedes Mal, wenn wir glaubten, wir hätten es gleich geschafft, beschloß er, wieder in seine Einzelteile zu zer- und umzufallen.
Dann klingelte es. Kerstin geriet in Panik. „Geh runter und lenke sie ab“, flüsterte sie mir zu, obwohl man sie von der Haustür aus gar nicht hören konnte, „ich erledige das hier in der Zwischenzeit.“ Ich fragte mich, wie sie das schaffen wollte, aber ehe ich protestieren konnte, schob sie mich aus der Wohnungstür und drehte im Badezimmer das Wasser auf, um den Anschein zu erwecken, sie stünde noch unter der Dusche.
Über eine passende Ausrede nachgrübelnd, stieg ich die Stufen hinab. „Ähm...wir müssen noch Getränke kaufen und Kerstin ist noch unter der Dusche...könnt Ihr vielleicht tragen helfen?“ fragte ich schließlich. Ich erntete zwar verwunderte Blicke, aber sie trotteten brav mit.
Als wir wieder zurückkamen, hatte Kerstin es geschafft, Billy so an die Wand zu lehnen, daß er nicht mehr umfiel. Die Bücher waren ordentlich um ihn herum gestapelt. Die Gäste betrachteten sich das Machwerk andächtig, bis einer von ihnen schließlich aussprach, was vermutlich die meisten dachten: „Ich glaube, da muß mal ein Mann ran!“
Auch wenn ich nicht pauschal der Meinung bin, daß alle Männer bessere Handwerker sind als Frauen, mußte ich ihm in diesem Falle recht geben!

#2 RE: Abenteuer mit Billy von SchwabeinÖsterreich 17.11.2014 11:41

Ja, dass schwedische Möbel oft ihre eigene Auffassung davon haben, von wem sie wann und wie aufgebaut werden möchten - davon kann ich auch ein Lied singen.

Danke für diese erheiternde Geschichte, in die sich wohl jeder nur zu gut reinversetzen kann.

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