#1 Vampirchen will fliegen von Marie 19.03.2015 15:34

Vampirchen will fliegen

“Uaaaaah! Lass mich raus!” kreischte ein dünnes Stimmchen aus dem Astloch.
Fast hätte Maxi das Holzkistchen fallen lassen. Konnten Mäuse reden? Nein, sie musste sich geirrt haben. Sicherheitshalber schüttelte sie die selbstgebastelte Mausefalle kräftig.
“Bist du wahnsinnig, grausames Menschenkind? Du brichst mir ja die Flügel!”
Diesmal ließ Maxi das Kistchen wirklich fallen. Doch bei dem Versuch wegzulaufen, stolperte sie und landete voll auf dem Popo. Sie hatte sich nicht getäuscht. Die gefangene Maus hatte geredet - und - Maxis Augen wurden riesengroß - der Deckel der Falle war aufgegangen und heraus kroch - nicht etwa ein süßes piepsendes Mäuschen, sondern ein kleines, schwarzes Tier mit weit gespannten Flügeln und winzigen Öhrchen. Es hatte eine rote Hose mit weißen Punkten und dazu blaue Hosenträger an. Das kleine Tier schüttelte sich und fluchte. Ganz schlimme Wörter kreischte es.
“Wow!”, hauchte Maxi und vergaß vor Staunen ihre Angst. A… und Sch… und verfl…, das sind Ausdrücke, die Maxi mit ihren knapp 7 Jahren noch nicht einmal denken durfte. Das komische kleine Tier zog seine Flügel wieder ein und schnalzte mit den Hosenträgern. Maxi, die noch immer auf ihrem Allerwertesten hockte, beugte sich vorsichtig zu dem schwarzen Ding hinunter.
“Du blöder Mensch!”, rief das Tierchen und schimpfte auf Maxi ein.
Jetzt hatte Maxi gar keine Angst mehr. Schließlich war sie ein Mensch und viel stärker als diese winzige, piepsende Ding. “Selber blöd!”, rief Maxi wütend. “Was machst du überhaupt in meiner Mausefalle? Schau, jetzt hast du sie kaputt gemacht!”
“Was kümmert’s mich?”, piepste das Tierchen böse.
“Und mein Lieblings-Leiberl ist auch ganz dreckig.” Maxi deutete auf den großen Grasfleck auf ihrem knallpinken T-Shirt. “Nur wegen dir! Verflixt!” Oh weh, jetzt hatte Maxi doch ein schlimmes Wort benutzt. Aber das war ihr jetzt egal. Es wunderte sie nicht einmal mehr, dass die komische Maus sprechen konnte und eine gepunktete Hose mit Hosenträgern anhatte. Dieses Tier war einfach gemein.
“Warum müsst ihr dummen Menschen ständig Fallen aufstellen?”, piepste das Tierchen aufgeregt. “Macht ihr euch gar keine Gedanken, welche Angst wir haben, wenn ihr uns in so etwas einsperrt?” Empört deutete es mit einem seiner Flügel auf das kaputte Kistchen. Maxi saß mit offenem Mund da. So hatte sie es noch nicht gesehen. Sie hatte gedacht, es sei ein Riesenspaß, eines der Mäuschen hinter dem Schuppen zu fangen und es als Haustier im Käfig zu halten. Aber sie hatte keine Sekunde daran gedacht, dass Tiere so etwas vielleicht nicht mochten.
“Vor mir musst du wirklich keine Angst haben!”, beteuerte Maxi. Sie war nicht mehr wütend. “Ich wollte ja nur eine Maus fangen. Die sollte dann mein Haustier werden. Weil mir die Mama keine Katze erlaubt. Dabei hab ich mir so sehr ein Kätzchen gewünscht.”
“Und da hast du gedacht, fang ich mir halt eine Maus?”, fragte das Tierchen. “Du bist ganz schön naiv!
“Was heißt “naiv”.” fragte Maxi.
Das Tier seufzte. “Naiv heißt leichtgläubig und vielleicht ein bisschen dumm dazu. Pah, Menschen! Versteht ihr denn nicht einmal eure eigene Sprache?”
“Ich bin doch noch ein Kind!”, rief Maxi empört,. “Ich verstehe noch nicht alle Wörter!” Ein wenig stolz fügte sie hinzu: “Gestern bin ich 7 geworden.”
“Na, da gratuliere ich aber.” Das komische Tier war jetzt ein bisschen freundlicher. “Konnt ich doch nicht wissen, dass du noch gar nicht ausgewachsen bist. Ja, ja, ich bin ja selbst noch nicht ganz erwachsen. Hab auch ein paar dumme Sachen gemacht. Aber ich hab noch nie Menschen in Kisten gefangen.“, kicherte es. Maxi fing ebenfalls an zu kichern.
“Was für ein Tier bist du eigentlich?”, fragte Maxi.
“Hast du denn noch nie eine Fledermaus gesehen?”, fragte das kleine Tier erstaunt.
Maxi schüttelte den Kopf.
“Auch egal.”, meinte die Fledermaus. “Ich bin nämlich eine Zauberfledermaus. Nur sehr wenige Menschen wissen, dass es so etwas wie mich überhaupt gibt.”
“Eine Zauberfledermaus?”, fragte Maxi. “Heißt das, du kannst zaubern?”
“Ein bisschen.”, sagte die Fledermaus und spreizte ein wenig die Flügel.
“Du lügst doch.” Maxi schüttelte den Kopf, so dass ihr die langen, blonden Haare um die Ohren flogen. “Zauberei gibt es doch nur im Märchen.”
“Unsinn.”, widersprach die Zauberfledermaus. “Wer hat dir denn das erzählt?”
“Meine Oma.”, sagte Maxi. “Und die weiß alles.”
“Es gibt keine Menschen, die alles wissen.”, piepste die Fledermaus.
“Dann zaubere mir eine Barbiepuppe her. Die mit dem rosa Ballkleid.”, verlangte Maxi.
“So geht das aber nicht.”, meinte die Zauberfledermaus hochmütig. “Ich zaubere nur, wenn etwas wirklich sehr wichtig ist.”
“Dann kannst du es doch nicht. Ätsch!” Maxi streckte der Zauberfledermaus die Zunge heraus. “Ich glaub dir nicht.”
“Glaub von mir aus, was du willst.” Die Zauberfledermaus blieb ganz cool. Das ärgerte Maxi. “Wahrscheinlich kannst du gar nichts!”, rief sie wütend.
“Doch! Ich kann beißen und Blut saugen!”, piepste die Zauberfledermaus. “Sieh her!” Sie riss ihr Mäulchen ganz weit auf und zeigte Maxi ihre spitzen Eckzähne.
“AAAAAHHH!” Maxi erschrak gewaltig. “Du bist ein Vampir!”, kreischte sie und wich zurück. “Ja, genau das bist du!” Sollte Maxi weglaufen? Die Oma holen, damit sie den Vampir verjagte? Maxi zögerte plötzlich. Vielleicht glaubte ihr die Oma den Vampir ja gar nicht. Maxi, würde sie sagen, du hast einfach zu viel Fantasie und dann würde die Oma lachen. Schließlich siegte Maxis Neugierde. “Du siehst aber auch wie einer.”, murmelte sie unsicher.
“Vampire gibt es doch nur im Märchen.”, kicherte die Zauberfledermaus.
Maxi ließ sich wieder ins Gras plumpsen und wischte ein bisschen Erde von ihren Jeans. “Schon, nur…”, sagte sie langsam. Ganz sicher war sie sich trotzdem nicht.
“Was weißt du kleiner Mensch schon über Vampire.” Die Zauberfledermaus kicherte noch immer.
“Ich habe einen Film gesehen.”, erklärte Maxi. “Einen ganz gruseligen von einem Vampir, der Menschen das Blut ausgesaugt hat und die sind dann wieder zu Vampiren geworden und haben anderen Menschen das Blut ausgesaugt.”
“Tz Tz.”, machte die Zauberfledermaus. “So etwas Gruseliges sollten kleine Menschen aber noch gar nicht sehen, oder?”
Maxi wurde rot. “Das darf ich auch nur bei der Oma. Die erlaubt mir fast alles.”
“Nette Oma.”, sagte die Zauberfledermaus und kicherte wieder, aber diesmal klang das Gekicher ganz hinterhältig und gar nicht nett.
“Meine Oma ist super, du dummes Tier!”, rief Maxi wütend.
“Ist ja schon gut. Ich glaub dir ja.”, sagte die Zauberfledermaus und flatterte ein bisschen mit den fast durchsichtigen Flügeln. “Aber ich bin trotzdem kein Vampir. Ich sauge nur ein bisschen Katzenblut und die Viecher merken das gar nicht.”
“Katzenblut?” Jetzt war Maxi aber wirklich empört. “Das ist grausam!”, schrie Maxi. “Die armen Kätzchen.”
“Jetzt bleib mal cool. Ich bringe sie ja nicht um.”, verteidigte sich die Zauberfledermaus. “Aber deine heißgeliebten Katzen - die bringen Mäuse um.”
Maxi wurde unsicher. “Aber Blutsaugen ist ekelig.”, meinte sie bockig.
“Und Fleischfressen nicht?”, piepste die Zauberfledermaus. “Das tut ihr Menschen doch auch! Ich sage - Menschen sind grausam!”
Maxi biss nachdenklich auf ihrer Unterlippe herum. Vielleicht hatte diese komische Fledermaus ja recht. Sogar Maxis Eltern fanden, dass Menschen manchmal grausam sind. Sie sagten das fast immer, wenn sie sich die Nachrichten im Fernsehen ansahen.
“Hm, kann schon sein.”, murmelte sie.
“Siehst du!”, piepste die Zauberfledermaus triumphierend.
“Aber du siehst doch wie ein Vampir aus, auch wenn du sehr klein bist.”, beharrte Maxi. “Die spitzen Zähne da! Brrr!”, machte sie und schüttelte sich ein bisschen. Doch plötzlich hellte sich ihr Gesicht auf. “Weißt du was? Ich nenne dich Vampirchen.”, rief Maxi begeistert und klatschte in die Hände.
Die Zauberfledermaus zog das Näschen kraus und schnupperte. Immer, wenn Zauberfledermäusen etwas nicht gefällt, schnuppern sie.
“Unsinn!”, schnaubte die Zauberfledermaus. “Menschen brauchen Namen. Ich aber nicht.”
“Ich nenne dich trotzdem Vampirchen.”, sagte Maxi. “Irgendwie muss ich dich ja nennen. Und du kannst mich Maxi nennen. So heiße ich nämlich.”
“Na schön.”, seufzte Vampirchen. “Wenn es unbedingt sein muss…”
“Super!”, rief Maxi. “Aber du hast mir noch gar nicht gesagt, warum du in meiner Falle warst.”
“Na, du bist gut!”, schnaubte Vampirchen. “Schlafen wollte ich da drin. Ich bin nämlich ein Nachttier und muss tagsüber schlafen. Da dacht ich halt, dieses hübsche Kistchen kommt mir gerade recht. Aber als ich hineingekrochen bin, ist mir plötzlich so ein Ding direkt auf den Hintern geklatscht und ich war gefangen!”
“Tut mir echt leid.”, sagte Maxi zerknirscht.
“Ach, was soll’s.”, seufzte Vampirchen. “Hab sowieso ganz andere Sorgen.”
“Was denn für Sorgen?”, fragte Maxi verwundert. Wie konnte denn ein Tier Sorgen haben? Menschen hatten Sorgen, sogar sehr viele manchmal. Das hatte Maxi schon begriffen. Aber Tiere?
Vampirchen kratzte sich verlegen am Öhrchen. “Ich kann nicht fliegen.”, flüsterte er ganz leise.
“Was hast du gesagt?” Maxi hatte kein Wort verstanden. Sie beugte sich ein wenig näher zu ihrem neuen Freund hinunter.
“Ich kann nicht fliegen!”, piepste Vampirchen etwas lauter.
“Wieso denn nicht?” fragte Maxi. “Kannst du es nicht einfach lernen? So wie die kleinen Vögel?”
“So einfach ist das bei uns Zauberfledermäusen leider nicht.”, sagte Vampirchen und kratzte sich das andere Öhrchen.
“Wieso?”, fragte Maxi.
“Na ja, wir brauchen noch eine Kleinigkeit, um fliegen und äh, zaubern zu können.”
“Was denn?”, fragte Maxi neugierig.
“Also, das ist so: Als meine Mutter mich vor ein paar Wochen verlassen hat, hat sie…”
“Was?”, schrie Maxi. “Deine Mama hat dich verlassen? Das ist aber gemein von ihr!”
Vampirchen fuchtelte ungeduldig mit dem rechten Flügel vor Maxis Nase herum. “Das ist bei uns halt so. Zauberfledermäuse werden nicht so lang behütet und gefüttert wie ihr Menschenkinder. Wir müssen viel früher erwachsen werden. Das ist doch bei deinen geliebten Katzen auch nicht anders.”
“Aber kleine Katzen werden dann von den Menschen behütet und gefüttert.”, widersprach Maxi trotzig.
“Ist doch jetzt egal!”, murrte Vampirchen ungeduldig. Warum mussten Menschen immer so viele Fragen stellen?
“Also, von vorn: Als meine Mutter - sagen wir halt - glaubte, dass ich alt genug sei, um in die große, weite Welt zu ziehen, da gab sie mir eine Zaubercreme, die sie in ein Kastanienblatt gewickelt hatte und sagte zu mir: ‘Diese Creme musst du, noch bevor der Sommer beginnt, unter deine Flügel streichen, sonst wirst du niemals fliegen können und auch niemals eine richtige Zauberfledermaus sein. - Du weißt doch, wann der Sommer beginnt, oder?
“Klar.”, antwortete Maxi. “Am 21. Juni.”
“Genau! Und das ist schon ü-ber-mor-gen!”, flüsterte Vampirchen.
“Oh!”, rief Maxi. “Da musst du dich aber beeilen.”
“Na ja…”, piepste Vampirchen und leckte sich mit seiner kleinen, rosa Zunge über die spitzen Eckzähne. Immer wenn Zauberfledermäuse etwas Spannendes erzählen, lecken sie sich über die Eckzähne.
“Na ja…”, wiederholte Vampirchen.
“Jetzt sag schon.”, drängte Maxi.
“Na ja, es gibt da ein kleines Problem.”, piepste Vampirchen.
“Welches?“, fragte Maxi und kaute an einer Haarsträhne. “Du hast die verloren, oder?”
“Nein, aber das Kastanienblatt mit der Zaubercreme ist mir in den Teich von deinen dummen Nachbarn gefallen! Warum müssen Menschen auch künstliche Teiche in ihren Gärten anlegen? So ein Blödsinn!”, schimpfte Vampirchen und schüttelte sich. “Jedenfalls ist von der Zaubercreme nur noch sehr wenig übrig. Zu wenig für beide Flügel.”
“Oh, das ist ja schlimm!”, sagte Maxi. Sie war ratlos und traurig. Sollte Vampirchen wirklich niemals fliegen können? “Armes Vampirchen.”, murmelte sie.
“Ja, ja. Sag, du kennst nicht zufällig eine gute Hexe in der Nähe?”, fragte Vampirchen.
“Eine Hexe?” Maxi schüttelte den Kopf. “Hexen gibt es doch nur im Märchen. Das hat meine Oma gesagt.”
“Ha! Schon wieder deine Oma!”, rief Vampirchen. “Und was ist mit sprechenden Zauberfledermäusen? Gibt es die vielleicht auch nur im Märchen, he? Zufällig plauderst du gerade mit einer, haha!”
Maxi kapierte, was Vampirchen ihr sagen wollte. “Na schön, vielleicht gibt es ja Hexen.”, murmelte Maxi widerwillig. Maxi mochte nicht gern zugeben, dass sich die Oma vielleicht schon wieder geirrt hatte. Ihre Oma irrte sich doch sonst nie. Omas waren nämlich nicht nur alt und dick, sondern auch gescheit. Maxis Oma konnte sogar Fahrräder reparieren.
“Na, bitte!”, sagte Vampirchen zufrieden.
“Aber trotzdem. Ich kenne keine Hexe.”, sagte Maxi.
“Also…”, fing Vampirchen an.
“Warte!”, unterbrach Maxi plötzlich und schnippte mit dem Finger. “Ich hab eine Idee!” Sie strahlte übers ganze Gesicht. “Du bleibst einfach bei mir und wirst mein Haustier. Wir können jeden Tag zusammen spielen. Du darfst alle meine Puppen haben und ich baue dir ein superschönes Haus. Der Papa hilft mir bestimmt dabei und, und…”
Vampirchen hob abwehrend einen Flügel. “Nein, nein und nochmals nein! Kommt gar nicht in die Tüte!”. Aber als er Maxis trauriges Gesicht sah, fügte er ganz lieb hinzu: “Schau Maxi. Du bist wirklich ein sehr, sehr netter kleiner Mensch. Aber man darf wild lebende Tiere nicht einsperren.”
“Aber ich sperr dich ja gar nicht ein!”, widersprach Maxi heftig. “Du darfst alles machen, was du willst. Sogar in meinem Bett schlafen, und so.” Hoffnungsvoll schaute Maxi die kleine Zauberfledermaus an.
Vampirchen pfiff leise. Immer, wenn Zauberfledermäuse ratlos sind, dann pfeifen sie.
“Wie soll ich es dir nur erklären? Wir Zauberfledermäuse müssen in der freien Natur leben. Wir sind nun mal keine Kuscheltiere. Ich kann mit Menschen reden, aber ich kann nicht mit ihnen leben. Verstehst du das irgendwie?”
“Ich glaube schon.” Maxi schluckte. Es half alles nichts. Sie musste Vampirchen helfen, so zu leben, wie er es gern wollte. Damit er glücklich war. Aber wie? Maxi dachte angestrengt nach. Vor lauter Nachdenken bekam sie schon Kopfschmerzen. So viel denken musste sie nicht einmal in der Schule. Und plötzlich fiel ihr etwas ein.
“Ich weiß was!”, rief sie und sprang auf. “Meine Mama hat eine ganze Menge Cremen im Badezimmer stehen. Da sind sogar welche, die können Menschen jünger machen!”
“Echt?” Vampirchen staunte. “Wow. Cremen, die jünger machen. Das ist wirklich cool.”
Maxi ließ sich wieder ins Gras fallen. Damit Vampirchen nicht so hoch zu ihr hinaufschauen musste.
“Wirklich wahr.”, sagte sie. “Auf einer steht “Hyde - Hyd”… Ach, ich weiß nicht mehr. Aber egal, vielleicht ist da auch was für deine Flügel dabei.”
“Siehst du.”, sagte Vampirchen triumphierend. “Es muss also Hexen geben! Wer sonst könnte Verjüngungscremen machen?”
“Ja, wahrscheinlich hast du doch recht.” Maxi war von den Hexen noch immer nicht ganz überzeugt. Aber wer wusste denn wirklich alles so genau? Wenn es doch auch sprechende Zauberfledermäuse mit Hosenträgern gab… Maxi hatte aber noch eine Idee. “Hast du noch den Rest von deiner Zaubercreme?”, fragte sie.
“Ja, bei deinen dummen Nachbarn im Garten müsste sie noch sein.”, sagte Vampirchen. “Soll ich sie holen?”
Maxi nickte und kratzte sich an der Nase. Ob Mama wohl sauer wird, wenn ich einfach ihre Cremen nehme?, dachte sie mit einem mulmigen Gefühl im Bauch. Mama konnte ganz schön schimpfen, wenn Maxi etwas anstellte. Manchmal gab es sogar “Bob-der-Baumeister-Verbot”. Unruhig wippte Maxi im Gras hin und her. Vielleicht merkte die Mama ja eh nichts…
“Fliegen ist nicht so anstrengend wie Laufen!”, keuchte Vampirchen, als er mit dem Kastanienblatt zurückkam.
“Das weißt du doch gar nicht.”, sagte Maxi dreist und erntete einen beleidigten Blick von Vampirchen.
“Lass sehen.” Maxi war mit einemmal ganz aufgeregt. Eine Zaubercreme bekam man nicht alle Tage in die Finger.
Vampirchen hielt Maxi das Kastanienblatt hin, damit sie es auseinanderfalten konnte. Mit zusammengekniffenen Augen untersuchte Maxi die klebrige, gelbe Masse auf dem Blatt, dann roch sie daran. “Hmmmm.”, machte Maxi, während Vampirchen sie erwartungsvoll anstarrte. Maxi kratzte sich das Näschen. Vorsichtig tunkte sie den kleinen Finger in das Klebrige, Gelbe und leckte daran. Dann machte sie ein verdutztes Gesicht und schließlich brach sie in schallendes Gelächter aus. “Haha, hihi! Das ist - ist ja…hihihi!”, japste sie und zerkugelte sich vor Lachen.
“Was hast du? Wieso lachst du?”, fragte Vampirchen. Er kapierte gar nichts.
“Ich … ich…” Maxi konnte nicht aufhören zu lachen. “Hihihahahoho…”, lachte sie und hielt sich den Bauch.
“Ich finde das gar nicht komisch!”, grollte Vampirchen. “Du dummer, kleiner Mensch! Machst dich über eine arme Zauberfledermaus lustig!”
Maxi sah, dass Vampirchen jetzt wirklich sauer war und versuchte, wieder ernst u werden. “Tut - tut mir leid, echt, aber…”, gluckste sie. “Aber … aber das ist gar keine Zaubercreme.”
“Ist es wohl!”, beharrte Vampirchen trotzig.
“Nein, ist es NICHT! Es ist HONIG!”, kicherte Maxi. Es fiel ihr noch immer schwer, sich zu beherrschen, vor allem weil Vampirchen sie gar so baff anstarrte.
“Was ist das, Ho-nig?”, fragte er.
“Das weißt du gar nicht?” Jetzt war Maxi baff. “Der Honig kommt von den Bienen.”, erklärte sie großspurig.
“Von den Bienen?” Vampirchen vergaß ganz, dass er eben noch sauer auf Maxi gewesen war. “Echt?”
“Na klar, sie sammeln Blütenstaub und den tragen sie dann in ihren Bienenstock…”, erklärte Maxi weiter.
“Ja, das weiß ich auch!”, rief Vampirchen. “Aber wie machen sie dann das Honig-Dings?”
“Aber den Honig machen doch die Menschen.”, sagte Maxi und hörte sich an wie eine Lehrerin, die es mit einem besonders begriffsstutzigen Schüler zu tun hat.
“Na gut.”, sagte Vampirchen. “Und wie machen die Menschen den Honig?”
“Öh!” Maxi wurde rot. “So genau weiß ich das nicht.”, musste sie zugeben.
“Bäh!”, machte Vampirchen. “Da dachte ich immer, ihr Menschen wärt so gescheit!”
“Ich geh doch erst in die erste Klasse.”, verteidigte sich Maxi. “Die Bienen haben wir noch nicht so richtig gelernt.”
Vampirchen kratzte sich nachdenklich den Bauch. Immer, wenn Zauberfledermäuse nachdenken, kratzen sie sich den Bauch.
“Hm.”, machte Vampirchen. “Kennst du einen Menschen, der Honig macht?”
Maxi hätte beinahe wieder losgeprustet, aber diesmal beherrschte sie sich eisern. “Ist gar nicht nötig.”, sagte sie und grinste. “Meine Oma hat massenhaft Honig. Den kann man doch im Supermarkt kaufen.”
Vampirchen war auf einmal so aufgeregt vor Freude, dass er ganz vergaß zu fragen, was denn nun ein Supermarkt sei. Er hüpfte im Gras auf und ab und schlug dabei die Flügel gegeneinander. Genauso sehen auch Menschen aus, wenn sie vor Freude in die Hände klatschen. “Los, gehen wir ihn holen!”, rief Vampirchen.
Das ließ sich Maxi nicht zweimal sagen. Vorsichtig nahm sie Vampirchen in die Hand. Er fühlte sich ganz flaumig an. Vor dem offenen Küchenfenster setzte sie ihn ab. “Du wartest hier.”, befahl Maxi. Vampirchen nickte. Maxi kletterte durchs Fenster. Das machte sie oft. So sparte sie sich den Weg ums Haus herum bis zur Eingangstür. Die Oma sah das gar nicht gern. “Schleppst mir den ganzen Dreck rein!”, schimpfte sie immer, wenn sie Maxi beim Fensterklettern erwischte. Aber zum Glück war die Oma nie lange böse. Das konnte sie gar nicht, denn Maxi war ihr absoluter Liebling.
Das bauchige Honigglas stand ausgerechnet auf dem obersten Regal. Außerdem war es sehr groß und sehr schwer. Die Oma kaufte nämlich immer in großen Mengen ein. Das sei billiger, sagte sie, vor allem, wenn man so eine verfressene Familie habe. Die Mama lachte dann immer.
Mit einem unguten Gefühl im Bauch stellte Maxi die Trittleiter auf. Weil sie noch klein war, musste sie bis ganz nach oben klettern. Das gefiel Maxi gar nicht. Sie hatte ein bisschen Höhenangst. Aber irgendein Gefühl sagte ihr, dass Menschen, ob groß oder klein, armen Tieren helfen müssten. Maxi schluckte und versuchte, möglichst nicht nach unten zu sehen. Dann fasste sie mit zittrigen Händen nach dem bauchigen Honigglas. Ui, war das aber schwer!
“Maaaaaxi!”, tönte Omas Stimme von draußen herein. Maxi kletterte blitzschnell die Leiter herunter. Dabei stolperte sie auf der vorletzten Stufe und ließ vor Schreck das Glas fallen. Mit einem lauten Knall krachte es auf den Boden und zersprang.
“Maxi? Was tust du da?”, rief die Oma, die bereits im Anmarsch war.
Maxi krallte sich eine Plastikschüssel von der Kredenz, schaufelte mit bloßen Händen klebrigen Honig hinein und sprang gerade noch rechtzeitig aus dem Fenster, bevor die Oma in die Küche kam. Die Oma sah Maxi noch davonspringen. Sie war aber zu alt und zu dick, um Maxi nachzuklettern. Also blieb sie am Fenster stehen, fuchtelte mit den Armen hinter ihrer Enkelin her und schimpfte: “Also, da hört sich doch alles auf. Komm du mir nach Hause!”
Maxi wusste, dass ihr ein kleines Donnerwetter bevorstand und es tat ihr leid für die Oma. Später würde sie sich bei ihr entschuldigen. Aber jetzt musste sie Vampirchen helfen. Zum ersten Mal in ihrem Leben spürte Maxi, was es bedeutete, Verantwortung zu übernehmen, und das machte sie sehr stolz.
“Nun, renn doch nicht so!”, keuchte Vampirchen, der ihr mühsam gefolgt war. “Ich bin ja schon ganz außer Atem.”, piepste er vorwurfsvoll, als Maxi endlich stehenblieb.
“Entschuldige.”, sagte Maxi. Beim Davonrennen hatte sie ganz vergessen, dass Vampirchen noch immer unter dem Fenster hockte. “Gott sei Dank hat mich die Oma nicht erwischt.”
“Na gut.” Vampirchen war noch immer ein wenig aus der Puste. “Dann fangen wir jetzt an.” Er spreizte seine Flügel. “Du musst die Innenseiten mit dem Honig bestreichen.”
Maxi tunkte ihren Zeigefinger in den Honig und bestrich damit ganz vorsichtig Vampirchens Flügelinnenseiten. Die Haut dort fühlte sich an wie Samt und war ganz warm. Vampirchen schloss die Augen und begann ganz leise zu brummen. Es hörte sich an wie das wohlige Schnurren eines zufriedenen Kätzchens. Als Maxi fertig war, öffnete Vampirchen seine Augen ganz weit und schlug dreimal kurz mit den Flügeln auf. Und - hast du nicht gesehen - da war er auch schon in der Luft. Maxi sprang auf und starrte ihm nach. Vampirchen umkreiste das Haus, verfing sich beinahe im Kirschenbaum und landete schließlich sanft auf Maxis Schulter.
“Wow!” Mehr konnte Maxi nicht sagen, so begeistert war sie.
“Na, was sagst du?”, piepste Vampirchen mit stolzgeschwellter Brust. “Bin ich nicht gut?”
“Du bist total super!”, rief Maxi und klatschte in die Hände. “Echt total!”
Vampirchen kletterte auf Maxis Unterarm. “Vorsicht! Halt deinen Arm ruhig, sonst fall ich runter.”, kicherte er.
“Entschuldige.”, sagte Maxi und hielt ihren Arm so ruhig, dass sie ihn kaum noch spüren konnte.
“Und jetzt?”, fragte sie traurig. “Jetzt fliegst du weg und ich bin wieder allein!” Maxi kamen die Tränen. Tapfer würgte sie sie hinunter.
“Aber, aber.”, tröstete Vampirchen. “Du bist doch nicht allein. Du hast doch deine Mama, deinen Papa, deine Oma und sicher auch einen ganzen Haufen Freunde und Freundinnen.”
“Ja, schon.”, schniefte Maxi und schob die Unterlippe vor. “Aber kein Haustier!”
“Liebe Maxi. Wenn du unbedingt ein Haustier willst, dann kauf dir doch eins. So wie das auch andere Menschen machen.”, meinte Vampirchen.
“Ha! Du bist ja lustig!”, rief Maxi. “Ich kann doch kein Tier kaufen. So etwas müssen die Eltern erlauben. Und meine Mama erlaubt mir kein Tier. Dabei hätt ich doch so gern ein Kätzchen!”
“Ach, jetzt fängt der Katzenjammer wieder an. Du armer, kleiner Mensch!”, grinste Vampirchen. “Na, mal sehen, was sich da machen lässt! Du hast mir geholfen, also werde ich dir helfen!”
“Wie denn?” Trotzig kickte Maxi einen Kieselstein weg. Vampirchen flog auf. Es wurde aber auch Zeit, denn Maxis Arm war schon ganz steif vom langen Ruhighalten.
“Also, Maxi! Ich verabschiede mich erst mal!”, rief Vampirchen und streifte Maxis Nase liebevoll mit seinem seiner Flügel. “Aber heute Abend, noch bevor die Sonne untergeht, werde ich dich besuchen. Lass dein Fenster offen!” Damit erhob sich Vampirchen endgültig in die Lüfte und flog davon. Niedergeschlagen starrte ihm Maxi nach, bis er nur noch ein winziges, schwarzes Pünktchen am Himmel war.
Ob Vampirchen wirklich wiederkommt?, dachte Maxi und biss auf ihrer Unterlippe herum. Wenn der kleinen Zauberfledermaus bloß nichts passierte!
“Maxi!!” Omas polternde Stimme riss Maxi schlagartig aus ihren Gedanken. Oh weh, das zerbrochene Honigglas hatte Maxi glatt vergessen. Mit gesenktem Kopf trabte sie der Oma entgegen. Und plötzlich begannen die Tränen doch noch zu fließen.
“Ach Oma!”, schluchzte Maxi. “Ich bin ja so traurig!”
Die Oma legte behutsam den dicken Arm um Maxis Schulter. “Nanana!”, tröstete sie. “So schlimm ist es ja auch wieder nicht. Pass auf - wir räumen jetzt zusammen die Sauerei in der Küche auf und dann vergessen wir die ganze Sache, gut?” Maxi nickte ein wenig getröstet und wischte sich mit der Hand über die Augen.
Die Oma seufzte leise. Sie konnte halt nicht streng sein. Schon gar nicht, wenn ihre kleine Enkelin traurig war. Dabei spürte die Oma wohl, dass es nicht nur am zerbrochenen Honigglas lag. Aber sie war eine sehr feinfühlige und verständnisvolle Frau und deshalb wusste sie, dass man auch den Kindern ihre kleinen Geheimnisse lassen musste. Früher oder später würde Maxi der Oma schon erzählen, was sie so bedrückte oder das Problem löste sich einfach von selbst.

Am Abend lehnte Maxi am offenen Fenster in ihrem Zimmer und schaute in den Himmel. Eine ganze Weile schaute sie schon. Bald würde es dunkel sein. Die Mama machte wieder einmal Überstunden. Sie war Rechtsanwältin und musste manchmal bis in den späten Abend hinein Menschen verklagen, die etwas angestellt hatten. Der Papa war Pilot. Er flog in der Welt herum und konnte daher nicht jeden Tag nach Hause kommen. Aber an seinen freien Tagen ging er mit Maxi oft auf den Fußballplatz, und das machte ihr immer riesigen Spaß.
An den Abenden, an denen die Mama länger arbeitete und der Papa in irgendeiner Stadt weit weg von zu Hause war, spielte Maxi mit der Oma meistens Mensch, ärgere dich nicht!. Doch nicht heute. Maxi durfte auf keinen Fall Vampirchen verpassen. Also konnte sie gar nichts anderes tun, als in den Himmel zu starren und zu warten, bis Vampirchen kam.
Da! Plötzlich sah sie etwas Winziges, Schwarzes und Rotweiß-Gepunktetes auf das Haus zukommen. Dann hörte sie auch schon den vertrauten Flügelschlag.
“Vampirchen!”, rief Maxi und fuchtelte so heftig mit beiden Armen herum, dass sie beinahe aus dem Fenster gefallen wäre.
“Nischt scho laut!”, nuschelte Vampirchen. Er landete ein wenig ungeschickt auf dem Fensterbrett und spuckte ein winziges, miauendes Fellknäuel in Maxis Arme.
“Da hast du dein Kätzchen! Bäh, igitt, diese Haare!” Vampirchen schüttelte sich. “Hab mich ganz schön zusammengerissen, sag ich dir! Dabei konnte ich das leckere Blut schon durchs Fell riechen.”
“Wie süüüüüüüüß!”, quietschte Maxi. “Woher hast du es?”
“Aus einem Wurf. Mehr musst du nicht wissen.” Vampirchen kratzte sich am Bauch.
“Du hast es geklaut?”, rief Maxi. “Aber man darf doch nicht klauen!”
“Ihr Menschen vielleicht nicht. Bei uns Zauberfledermäusen ist das was anderes.”, murmelte Vampirchen.
“Ooooch!” Maxi streichelte das zitternde Kätzchen. Dann seufzte sie. “Aber ich darf es ja doch nicht behalten. Du hast es umsonst geklaut.”, maulte sie. “Mama will doch kein Tier im Haus.”
“Keine Angst.”, meinte Vampirchen cool. “Sie wird es schon wollen. Dafür habe ich gesorgt.”
Maxi blieb der Mund offen stehen. “Wie denn?”, fragte sie dann.
“Mach den Mund wieder zu.”, rügte Vampirchen. “Sonst siehst du wie ein dummes Huhn aus.”
Maxi gehorchte.
“Also, ich hab das Kätzchen ein bisschen verzaubert.”, meinte Vampirchen und zwinkerte Maxi verschwörerisch zu.
“Hast du es gebissen?”, fragte sie streng.
“Wo denkst du hin?”, fragte Vampirchen so entrüstet, als hätte er gerade beschlossen, nur noch Gemüsesaft zu trinken. “Du wirst schon sehen.”, flüsterte er geheimnisvoll. “Und nun, Maxi, sei ein vernünftiger kleiner Mensch und sage mir Lebewohl!”
“Wirst du mich denn wieder besuchen kommen?”, fragte Maxi hoffnungsvoll, während sie das Kätzchen streichelte.
“Mal sehen - wer weiß?”, rief Vampirchen, als er abhob. “Machs gut, kleiner Mensch!” hörte Maxi noch. Sie winkte Vampirchen nach, bis nichts mehr von ihm zu sehen war. Ein bisschen traurig war sie schon. Und ob ein bisschen Fledermaus-Zauber die Mama wirklich dazu bringen konnte, Maxi das Kätzchen zu lassen, tja, da war sie sich gar nicht sicher. Erst musste sie die Sache der Oma beibringen. Die würde ihr hoffentlich helfen…

Maxi lief hinunter, huschte ins Vorzimmer, dann öffnete sie ganz leise die Haustür und ließ sie gleich darauf mit einem lauten Knall ins wieder ins Schloss fallen. Die Oma sollte nämlich glauben, dass Maxi das Kätzchen draußen im Garten entdeckt habe.
“Oma! Oma! Schau, was ich im Garten gefunden hab!”, schrie Maxi und hielt der Oma freudestrahlend das miauende Fellknäuel hin.
“Ach, du liiiiiiebes Bisschen!” Die Oma wischte sich die Hände an der Schürze ab. “Kind! Du weißt doch, deine Mutter will keine Katze im Haus!”
“Sie muss aber wollen.”, rief Maxi. “Das arme Kätzchen hat doch niemanden und außerdem hat Vampirchen gesagt…”
“Wer?”, fragte die Oma sofort.
Maxi biss sich auf die Unterlippe. Jetzt hätte sie fast ihr Geheimnis verraten. “Ist doch egal.”, maulte sie. “Wenn die Katze gehen muss, geh ich auch!”
“Ich bitt dich, Maxi.”, sagte die Oma kopfschüttelnd. “Red doch nicht so einen Unsinn daher. Ich hätte ja nix dagegen, aber die Mama….”
“Dann red mit der Mama!”, unterbrach Maxi. “Bitteeeeee!”, bettelte sie. “Auf dich muss sie ja hören. Du bist doch ihre Mutter!”
Die Oma lachte nur. “Du bist mir eine.”, sagte sie und schüttelte wieder den Kopf. “Also gut, versuchen kann ich’s ja, aber ich fürchte…”
“Danke, Oma!”, jubelte Maxi. “Du bist die beste Oma der Welt!” Dann stürmte Maxi mit ihrem Kätzchen hinaus. Sie wollte vor der Tür auf die Mama warten. Maxi hatte ein komisches Gefühl im Bauch, so eine Mischung aus Hoffnung, endlich ein eigenes Kuscheltier zu besitzen und Angst, dass der Vampirchen-Zauber die Mama vielleicht doch nicht würde umstimmen können.
Nervös hüpfte sie auf der Türschwelle auf und ab. Das gefiel dem Kätzchen gar nicht. Es protestierte miauend. Maxi ging ins Vorzimmer hinein und setzte die Katze auf das Garderobentischchen. Da hörte sie auch schon das Auto der Mama die Einfahrt heraufkommen. “Jetzt wird’s ernst.”, flüsterte Maxi dem Kätzchen ins samtige Öhrchen. “Du musst brav sein und ganz lieb schauen.” Die Katze fing an zu schnurren, so als hätte sie genau verstanden, was ihr neues Frauchen von ihr wollte.
Die Mama kam ins Haus und kickte ihre eleganten, aber unbequemen Stöckelschuhe von den Füßen.
“Ah!”, sagte sie. “Das tut gut. Hallo, Maxi, mein Mäuschen.”
Dann erst fiel ihr Blick auf das Kätzchen, das gerade dabei war, sich auf dem Tischchen zusammenzurollen.
“Hallo, Mama.”, sagte Maxi und hatte auf einmal einen ganz dicken Knödel im Hals. Sie hatte sich so schön ausgedacht, was sie der Mama sagen wollte und nun war alles weg. “Schau, ein Kätzchen…”, war alles, was sie herausbrachte.
“Aber Maxi!” rief die Mama streng. “Ich habe dir doch schon hundertmal erklärt….” Mitten im Satz hörte die Mama zu reden auf. Sie starrte das Kätzchen an, das Kätzchen starrte zurück. Sie starrten einander an, so lange, dass Maxi schon Angst bekam
“Mama!”, rief sie. “Was ist? Mama?” Maxi packte die Mama am Arm und zog daran. Und plötzlich hörte die Mama auf zu starren, sie schüttelte den Kopf so heftig, als hätte sie eklige Würmer in den Haaren und auch das Kätzchen schnurrte wieder, als ob gar nichts gewesen wäre.
“Äh, ich…” Die Mama kniff die Augen zusammen, dann sah sie ihre Tochter an. “Ich wollte sagen, Maxi, natürlich darfst du die Katze behalten. So ein süßes Tier!”
Maxi machte einen Luftsprung und fiel der Mama um den Hals. “Danke, Mama!”, rief sie und ganz leise flüsterte sie: “Danke, Vampirchen.”
Und dann war es Maxi, als ob sie plötzlich Vampirchens piepsiges Stimmchen hörte: “Ich zaubere nur, wenn etwas wirklich sehr wichtig ist!”

Xobor Xobor Community Software
Datenschutz