#1 Gedichte Thema Alkohol von Hans Peter 07.11.2015 00:49

Möchte in dieser Rubrik einige Gedichte von mir über das Thema Alkohol einbringen.
Leider bin ich schon in mehreren Foren durch meine Schreibweise angeeckt. Bekam auch zu lesen, - wir sind ein Schreibforum, und kein Dichterforum. -

Doch habe ich nur meine Gedanken in Versform eingesetzt, und keinen gezwungen sie auch zu lesen.



Wegen dieses Gedichtes habe ich in einem Alkohol - Forum:
http://alkoholismus . . . . de
zu lesen bekommen, dass ich nicht immer wieder Reklame für AA machen soll.

Darauf hin habe ich dort meine sämtlichen Beiträge/Gedichte mit der Bemerkung gelöscht:
Einige in diesem Forum sind es wirklich nicht wert, mein geistiges Eigentum
zu lesen.
Denn man könne ein Gedicht nur als Ganzes lesen, weil es mein Leben beschreibt.
Sich aber nicht nur 2 - 3 Sätze daraus nehmen, um seine eigene Meinung damit
zu vertreten.


Wir alle brauchen Liebe

. . . von © Hans Peter Schulzke . . . 28.09.2003

Wir alle brauchen - Liebe -
bekommen so oft Hiebe.
Warum soll ich mich denn noch selber schlagen ?
Hier im Meeting kann ich stellen, diese Frage.

Ist nicht so schoen die Welt ohne Alkohol ?
Wie lange hab ich gelitten, ehe ich das gerafft ?
Warum konnt´ ich ihn nicht frueher stehen lassen,
den scheiss Gerstensaft ?
Hoernertee, Asbach, Obstler und all die anderen Sachen,
hab ich getrunken weil sie Freude machen ?

Ganz am Anfang, ja vielleicht.
Aber dann hab ich ein Stadium erreicht,
ich musste trinken, anders ging es nicht.
Wie oft verlor ich mein Gesicht ?

Tausende Versuche ich gemacht,
doch Teufel Alkohol hat nur gelacht.
Warum willst du aufhoeren, du kannst doch alles rosig sehen,
trink dir noch einen, morgen wird es dann wohl gehen.

So hat er dann gesprochen, und so ging es viele viele Wochen.
Selbstvorwuerfe, unendliche ich mir gemacht,
doch was hat es letztlich mir gebracht ?

Konnt nicht mehr schlafen,
hab gegruebelt, wie hoer ich auf,
hab mich verflucht, ich kam nicht drauf.

An Selbstmord hab ich auch gedacht,
doch der Teufel hat gelacht, und fluesternd mir gesagt:
Zu feige bist du, glaube mir. Trink dir lieber noch ein Bier

Ich war abhaengig, hab auf IHN gehoert,
meinen Koerper fast zerstoert.
Ich hab gekaempft, doch nie gewonnen,
wieviel Traenen von Selbstmitleid, sind mir die Wangen runter geronnen ?

Familienleben, das war hin, hatte das Leben ueberhaupt noch Sinn ?
Nein so konnte es nicht weiter gehen,
konnte abends nicht mehr gerade stehen.

Frauchen kam aus der Gruppe von A A,
Hans Peter zu Hause im Sessel, besoffen, war doch klar.
Ein Wort von ihr, als Vorwurf ich gemeint,
und schon wieder war da, der Streit.

Tuere geknallt, was denkt DIE dann,
schliesslich bin ich doch der Mann.

Ja als Marionette ein Hampelmann,
und Teufel Alkohol zieht die Faeden an.

Arme hoch, himmelhochjauchzend,
im naechsten Moment zusammengesackt,
erst noch gelacht, und dann am liebsten umgebracht.

Scheinheilig gebetet im besoffenen Kopf, lass mich im Lotto gewinnen,
mich armen Tropf. Ein Haus bau ich mir, mit einer Kapelle hinten dran.
Dann hoer ich auf zu saufen, und Busse wird getan.

Doch der liebe Gott hat wohl gesagt, verdienen muss ich´s mir,
lass stehen vorher, das olle Bier.

Ein Fingerzeig vom Himmel hat E R wohl gemacht,
indem er mich einmal auf den Weg gebracht.
Er schubste mich vor die Meetingstuer,

--- Geh da hinein jetzt, das rat ich dir. ---

Ich hab mit klopfendem Herzen die Tuere aufgemacht,
drinnen wurde nicht gepredigt, sondern gelacht.
Eine huebsche Frau kam auf mich zu, ich heiss Rita, wer bist du ?

Unterhalten haben wir uns dann, bevor noch fing das Meeting an.

Hier war ich richtig, das spuerte ich sofort,
fuer den Wunsch - mit dem Trinken aufhoeren - war hier der rechte Ort.

Viel von den Worten blieb nicht haengen, ausser nur der eine Satz,
-- Nur heute nicht trinken -- und das ist nun M e i n groesster Schatz.

Ins Meeting gehen, am besten oefters in der Woche,
zuhoeren und glauben was hier gesagt.
Das habe ich gemacht.

Ich konnte sogar hier weinen, denn ich war ja unter Freunden.
Ach was hat das gut getan, und hinterher noch gedrueckt im Arm.

Etwas peinlich war´s mir ja, und die troestenden Worte so nah.
Liebe Freunde haben es mir gesagt:
Das hat schon jeder durchgemacht,
und nach Traurigkeit, wird dann gelacht.

Das hoerte ich, wie aus weiter Ferne.

Hab ich gegriffen nach den Sternen ?

Nein, ihr lieben Unglaeubigen, ich sag´s euch ja:

-- Geht ins Meeting, zur A A.

Heute habe ich mein Haus, aber ohne die Kapelle.
Dafuer einen grossen Garten, mit einer ruhigen Stelle.

Jetzt brauche ich nur noch lernen,
- DANKE - sagen, und auch das Beten.
Aber auch das werde ich noch schaffen, und nicht nur Unkraut jaeten.

So peu a´ peu mit kleinen Schritten,
erleb ich nun ein anderes Leben.
Dank A A in Eueren Mitten.

.

#2 RE: Gedichte Thema Alkohol von Hans Peter 07.11.2015 01:18

Will noch leben

von © Hans Peter Schulzke . . . . 16.09.1996


Ich sehe Tränen,
ich schmecke Salz,
alles ist verschwommen,
was hat man mir genommen ?

Ich höre einen Song,
er ist schon furchtbar alt,
warum kann ich keinen anderen hören,
ist mein Herz schon kalt ?

Ich möchte rennen,
bis ans Ende der Welt,
warum nur, ja warum nur
hat man mich hier her bestellt ?

Kann mich nicht bewegen,
alles um mich ist so eng,
es schnürt mir die Luft ab,
warum komm` ich nicht von der Stell` ?

Ich liege hier, weiß nicht wieso,
früher war alles schöner,
nun bin ich nicht mehr froh . .

Ist das die Stunde,
wo man - die Letzte - zu sagt,
ist alles zu Ende, trägt man mich zum Grab ?

Nein, ich will noch leben,
hier komm ich hinaus.

Wenn die Entgiftung vorbei ist,
kommt kein Alkohol mehr ins Haus ! !

.

#3 RE: Gedichte Thema Alkohol von Andere Dimension 07.11.2015 08:21

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Zitat
Wegen dieses Gedichtes habe ich in einem Alkohol - Forum:
http://alkoholismus . . . . de
zu lesen bekommen, dass ich nicht immer wieder Reklame für AA machen soll.



Hallo Hans-Peter, ich habe schon öfter gehört...dass trockene Alkoholiker sehr militant sein können - ich denke das ist einfach nur eine offensive Art mit der Angst umzugehen - und diese Angst ist ja nicht ganz unbegründet. Also besser nicht persönlich nehmen. Ein Gedicht zu schreiben ist sicher eine von vielen Möglichkeiten etwas zu verarbeiten, doch würde ich persönlich da eher zum "freien Vers"....im wahrsten Sinne des Wortes... greifen, denn jedes Problem ist auch irgendwie ein Korsett...das man trägt - davon gilt es sich zu befreien. Der gebundene Vers schnürt dieses Korsett nur noch enger zu. Solche Gedanken brauchen Raum...während der Reim, so schön er auch klingen mag, sehr schnell zur Einbahnstraße werden kann.

Gruß, A.D.

#4 RE: Gedichte Thema Alkohol von Andere Dimension 07.11.2015 11:03

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Wenn Du erlaubst, komme ich auf den Inhalt deines letzten Gedichts zurück

Zitat
Ich sehe Tränen,
ich schmecke Salz,
alles ist verschwommen,
was hat man mir genommen ?

Ich höre einen Song,
er ist schon furchtbar alt,
warum kann ich keinen anderen hören,
ist mein Herz schon kalt ?

Ich möchte rennen,
bis ans Ende der Welt,
warum nur, ja warum nur
hat man mich hier her bestellt ?

Kann mich nicht bewegen,
alles um mich ist so eng,
es schnürt mir die Luft ab,
warum komm` ich nicht von der Stell` ?

Ich liege hier, weiß nicht wieso,
früher war alles schöner,
nun bin ich nicht mehr froh . .

Ist das die Stunde,
wo man - die Letzte - zu sagt,
ist alles zu Ende, trägt man mich zum Grab ?

Nein, ich will noch leben,
hier komm ich hinaus.

Wenn die Entgiftung vorbei ist,
kommt kein Alkohol mehr ins Haus ! !



Die hervorgehobenen Stellen scheinen mir den Kern zu bilden: Da ist auf der einen Seite die Suche nach der Schuld (..der Anderen?) " was hat man mir genommen?", "wer hat mich hierher bestellt?"
Das ist, verzeih, meiner Vermutung nach der Versuch die Opferrolle einzunehmen.

Zitat
Wenn die Entgiftung vorbei ist,
kommt kein Alkohol mehr ins Haus!!



Kein Alkohol mehr scheint die Lösung des Problems zu sein, zumal die Aussage mit zwei Ausrufezeichen versehen wird. Ist das wirklich so? Ich sage nein - der Verzicht auf Alkohol ist "nur" die Grundvoraussetzung um die eigentlichen Probleme wirklich anzugehen. Da der Alkoholiker aber alleine im Alkohol die Gefahr und Wurzel seines Übels sieht, ist er...wenn er sich mit Alkohol konfrontiert sieht...und sei es nur verbal...so militant und resolut.

Der Suchtkranke ist weder Täter noch Opfer. Er ist krank.

Meine Erfahrung mit Alkoholkranken zeigt, dass sie...in medizinischer Hinsicht... sehr sehr gut über ihre Krankheit bescheid wissen. Sie kenne alle Fachbegriffe, wissen wann und wie sich etwas auswirkt, was mit dem Körper geschieht, kennen die chemischen Reaktionen im Gehirn, usw. usw. /ist wie beim Militär...umso mehr man über den Feind weiß, desto besser kann man ihn bekämpfen. Sie flüchten geradezu in dieses Wissen. Aber was bringt es wirklich?

#5 RE: Gedichte Thema Alkohol von Andere Dimension 09.08.2016 13:53

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Kneipenpoesie

1.
Das Bier ist warm,es schmeckt sehr schal,
auch fehlt ihm noch das Häubchen,
so zapfe es mir noch einmal
Du Taube (einst ein Täubchen)

Das Warten hat sich ausgezahlt,
ich könnnte dich, ach drücken,
die Krone, wie von Klee gemalt,
auch dir darf das mal glücken.

2.
Ich saß in Uwes Kneipe,
bei einem Viertel Wein -
umzingelt von den Ratten.
Da trat von einem Weibe
zunächst einmal der Schatten
ins Zecherstübchen ein.
Bald kam das Weib im Ganzen,
vom Kneipenhund verbellt,
da hatten selbst die Pflanzen
sich mit mir tot gestellt.

3.
Ein Hoch auf Jägermeister,
der Fluch sei meiner Frau,
denn darin ist sie Meister,
bin ich mal wieder blau.

4.
Nach achtundzwanzig Bieren
und einer Zigarette,
kroch ich auf allen Vieren
gekonnt bis zur Toilette.
Es reichte nicht der Rüssel,
vom Boden bis zur Schüssel,
so lernte ich im Sitzen,
den Hopfen auszuschwitzen.

5.
Ich war einst beim Chinesen,
in einem Dorf (bei Füssen),
aß Frühlingsrollen - sieben,
war immer noch am Leben.
Im Glückskeks stand geschrieben;
(ich wollte es nicht lesen)
du wirst dich übergeben -
nicht wollen, aber müssen.

6.
Als Wirt und Rechnung kamen,
floh ich samt Glas und Teller.
Ich heiße Paul von Preller
und zahl mit meinem Namen

7.
Ein runder Tisch, zwölf Korn, acht Bier
und Königsberger Klöpse.
Ganz gut lebt das Gesindel hier,
die Wirtin, einst noch arm (Hartz 4),
serviert im Dirndl Möpse.

#6 RE: Gedichte Thema Alkohol von cajus 12.08.2016 18:10

Guten Abend, Peter,

So mancher Dichter,
der etwas auf sich hält,
sich in
Kneipenpoesie gefällt.

Deine kleine Kneipenpoesie, bei der ich mich ganz gut
Ringelnatz und Günter Bruno Fuchs kann vorstellen, gerne gelesen.
Was mich betrifft; ich hör ein Bächlein fliessen.
Oder im Versuch eines kleinen Reimes:
´So macher
fühlt sich nur wohl,
beim Alcohol.
Doch in meinem
Da,- und Sein,
fröne ich dem Gänsewein!”

So denn noch ein schönen Abend.
Hier werden die Nächte langsam wieder ´dunkler´ bis uns Kaamos
fest umhüllt.

Mit Grrüssen:
baroque - mande - cajus

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