#1 Der Frosch, der nicht grün sein wollte von tastifix 23.02.2017 15:07

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Der Frosch, der nicht grün sein wollte

Quaki, die Kaulquappe, ist zu einem Frosch herangewachsen. Zusammen mit den Geschwistern hüpft er an Land. Von jetzt an wird er auf der Wiese am Rande des Teiches leben. Neugierig mustert er die Anderen, danach sich selber und ist enttäuscht:
„Quak, warum sind wir nur alle so langweilig grün? - Ich möchte viel lieber rot oder blau sein.“
„Aber dann entdeckt dich der Storch doch schon von weitem!“
„Na und“, entgegnet er unbekümmert. „Ich spring so schnell weg, dass der mich trotzdem nicht kriegt!“
Die Geschwister sorgen sich um den Bruder:
„Bleib besser so grün wie jetzt.“
Aber, wenn der sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann können sie es ihm nicht wieder ausreden.
„Nee, will ich aber nicht!!“
Das hört Husch, die Maus. Sie mag den Frosch.
„Du, drüben am Waldrand wohnt in einer Baumhöhle die Fee Zauberschön. Die liebt uns Tiere und hat schon vielen einen Wunsch erfüllt.“
„Husch, die bist die netteste Maus der Welt. Danke!“

Eilig macht sich Quaki auf den Weg zum Wald. Nach kurzem Suchen entdeckt er in einem besonders prächtigen Baum die Höhle, setzt sich vor den Eingang und quakt sein schönstes Quak-Lied. Mit dem will er die Fee beeindrucken. Es dauert nicht lange, da erscheint Zauberschön, sieht den Frosch und fragt:
„Was kann ich für dich tun?“
„Ich will nicht länger so doof grün, sondern viel lieber leuchtend bunt sein!“
Eine große Träne rollt über sein Gesicht. Die Fee erträgt es nicht, ein Tier unglücklich zu sehen und streichelt ihm mitleidig über den Rücken:
„Nicht weinen! Ich werde dir helfen.“
Gleich guckt Quaki wieder fröhlich. Gespannt wartet er, was die Fee vorhat. Zauberschön macht ihrem Namen alle Ehre und flüstert einen schönen Zauberspruch. Sofort verwandelt sich Quaki in einen kunterbunten Frosch. Sein Gesicht ist gelb wie eine Zitrone, der Rücken blau wie das Meer mit lila und orange Tupfen, der Bauch knallrot-grün gestreift und die Beine lila-gelb kariert. Die Fee holt ihren Zauberspiegel herbei. Jubelnd bewundert sich er von allen Seiten:
„Ich bin der schönste Frosch der Welt!“
Zauberschön freut sich für ihn. Dennoch mahnt sie:
„Pass gut auf dich auf. Für einen Frosch ist es recht gefährlich, so bunt durchs Leben zu hüpfen.“
„Mir passiert schon nichts!“
Mit einem höflichen ´Danke-Quak` verabschiedet er sich.
Stolz hüpft er zurück auf die Wiese und betrachtet in jeder Pfütze begeistert sein Spiegelbild.
„Quak, die Anderen werden Seerosenblätter staunen!“
Kurz darauf trifft er eine Katze. Sie lacht sich bei seinem Anblick fast kaputt.
„Miau, hihi, bist du in einen Farbkasten geplumpst?“
„Denkste! Ich bin jetzt ein Knallbuntfrosch! - Bist ja bloß neidisch, du mit deinem blöden grauen Fell!“, trumpft der Frosch auf.
„Pööh!“, faucht die Katze beleidigt.
Quaki kümmert es nicht und er springt davon.
„Keiner ist so hübsch wie ich!“
Übermütig hüpft er zur Mitte der Wiese. Dort steht ein mächtiger Baum. Das wilde Springen ist anstrengend gewesen und deshalb ruht er sich unter ihm ein wenig aus. Dabei lugt er forschend umher, ob vielleicht irgendwelche Tiere in der Nähe sind, von denen er sich anstaunen lassen kann.

Da hört er über sich die Vögel zwitschern. Und schon entdeckt ihn das Rotkehlchen Tiri. Verblüfft hopst es auf seinem Zweig hin und her:
„Tirili! Sag mal: Ist das etwa die neueste Froschmode?“
Dabei guckt es ein wenig neidisch, denn es selber trägt nur auf der Brust etwas Orange.
´Obwohl ... Solch ein kräftiges Orange ziert hier kein anderes Rotkehlchen!`
Der Frosch dreht und wendet sich nach allen Seiten.
„Toll!“, piept Tiri.
Auch die Spatzen, die Meisen und erst recht Elster Pfiffikus sind aufmerksam geworden. Pfiffikus pfeift prompt los, aber noch wird dies von dem spöttischen Gezeter der Spatzen übertönt.
„Wie läufst du denn rum?“
„Spielst du Ampel?“
„Hihi, so`n Frosch habe ich ja noch nie gesehen!“
„Ruhe, verflixt und zugenäht. Ich hab was zu sagen!“, krächzt Pfiffikus plötzlich durchdringend.
Sofort ist es mucksmäuschenstill. Alle warten neugierig, denn die Elster hat meist tolle Ideen.
„Gehst Du etwa zum Froschkarnevalsball? Ist es dafür nicht zu früh?“
Die anderen Vögel gucken sie bewundernd an.
„Den hab ich ja völlig vergessen!“, tschilpt ein Spatz verblüfft. „Klar, Quaki will Karneval feiern!“
Der schweigt dazu und denkt nur:
´Herrlich! Alles dreht sich um mich! Tja, bin auch der tollste Frosch der Welt!`
Da! Auf einmal hört er ein gewaltiges Flügelrauschen, blickt erschrocken hoch und erkennt Uhu Klebsi, seinen aller besten Freund aus dem Wald.
„Wieso bist du denn tagsüber unterwegs?“
Er wundert sich, denn eigentlich jagt Klebsi nur nachts.
„Ach!“, stöhnt der. „In der letzten Nacht habe ich nichts gefangen und mit knurrendem Magen kann ich nicht schlafen, darum!“
Entsetzt mustert Klebsi den Frosch:
„Um Himmelswillen, du leuchtest ja wie eine Laterne. Ist doch viel zu gefährlich.“
Er ist nicht allein ein besonders lieber, sondern genauso ein besonders kluger Freund.
„Allein kannst du so nicht auf Wanderschaft gehen. Ich komme mit und beschütz dich. Moment, bin gleich wieder da!“
Der Uhu schwingt sich in die Höhe, gleitet nach hause und fliegt bereits nach wenigen Minuten schon wieder wie ein Sausewind zu Quaki zurück.
„Quuak, das ging aber fix. Was hast du denn gemacht?“
Klebsi grinst:
„Wird nicht verraten!“
Und denkt:
´Wenn uns jetzt ein Storch begegnet, wird der sich aber umgucken!`

Die Zwei brechen auf. Weil Klebsi viel schneller fliegen kann als der Frosch hüpfen könnte, verzichtet er dem Freund zuliebe auf das gemütliche Trudeln im Wind und schreitet dagegen majestätisch neben ihm her. Quaki wiederum macht nur winzige Sprünge, damit sein gefiederter Freund nicht etwa hinter ihm zurückbleibt. Ab und zu schnappt sich er eine Fliege.
„Lecker!“
Er schaut sehr zufrieden drein. Nicht so Klebsi, dem mittlerweile der Magen vor Kohldampf unter den Krallen hängt.
„Ich halt nicht mehr lange durch ...“, jammert er.
„Du findest bestimmt gleich etwas!“
Der Uhu guckt nur verzweifelt.
„Armer Klebsi!“, denkt der Frosch traurig, weil er ihm so gar nicht helfen kann.

Bedrückt trotten die Beiden eine Weile nebeneinander her. Sie kommen an einem niedrigen Gebüsch vorbei. In dem Blätterhaufen am Boden raschelt es. Sofort wird Klebsi wieder munter:
„Eine Maus - eendlich!!“
Leider, wie es der Frosch bestürzt feststellt, ist es nicht irgendeine fremde Maus, sondern ausgerechnet seine Freundin Husch. Sie hat den Uhu bereits gesehen und zittert vor Angst.
„Bitte, tu mir nichts! - Quaki, Hiilfe!“
„Ihr kennt euch?“, uhuut Klebsi.
„Klebsi: Die darfst du nicht fressen. Husch ist meine Freundin!“
Jetzt zittert auch Quaki. Klebsi ist es fast schlecht vor Hunger, aber er sagt sich:
´Nein, kommt nicht in Frage! Er würde schrecklich leiden.` - „Was denkst du eigentlich von mir? Ich fresse doch nicht die Freunde meines besten Freundes!“
„Danke!“, fiept Husch.
„Danke!“, quäkelt Quaki.
Dankbar verrät Husch dem Uhu:
„Am Fluss hinter dem Wald wohnen Ratten. Die schmecken dir doch, oder?“
„Husch, lass dich zwischen die Flügel nehmen!“, jubelt Klebsi.
Aber das will sie denn doch lieber nicht. Auf einmal hat es der Uhu sehr eilig:
„Tschüss, Husch und mach es gut!! Komm Quaki, auf geht`s!“, hüpft er zappelig von einer Kralle auf die andere.
Überglücklich, mit dem Leben davongekommen zu sein, huscht die Maus flink ins Gebüsch zurück.

Quaki und Klebsi haben bald den Wald durchquert. Vor ihnen liegt eine riesige Wiese.
„Quaki, geh du allein weiter. Ich kann nicht mehr!“
„Von wegen! Du kommst mit!“
Quak stupst den Freund mit dem Maul vorwärts. Dabei schielt er nach allen Seiten:
´Wo ist denn bloß endlich der Fluss?` -
„Du, dort hinten zwischen den Büschen schimmert etwas! Juhuuh, wir sind gleich da!“
Uhus haben scharfe Augen. Klebsi vergisst alle Mattigkeit, flattert voran und der Frosch springt munter quakend hinterher. Kurz darauf erreichen sie die Uferböschung. Leise plätschert das Wasser dahin.
„Und wo ist hier was für mich zum Futtern?“
Aufgeregt schwingt sich Klebsi hoch in die Luft. Nun kann er die ganze Wiese überblicken. Hatte sich neben dem Gestrüpp unter ihm nicht etwas bewegt? Er hat sich nicht getäuscht. Dort sitzt eine fette Ratte.
´Jetzt oder nie!`
Lautlos schießt er auf sie zu. Quaki hat sich abgewendet, denn er möchte nicht dabei zusehen, wenn der Uhu sie umbringt. Der schleift die tote Ratte ins nächste Gebüsch und frisst sich so richtig satt. Danach kehrt er zu dem Frosch zurück, der ihn bedrückt anguckt. Obwohl Quaki Ratten eigentlich nicht ausstehen kann, tut ihm das Tier leid.
„Ich hab nur ein einziges Mal fest zugehackt. Sie ist sofort tot gewesen!“, versichert ihm Klebsi.
Sein Freund guckt ihn erleichtert an.
„Quahaak, was baumelt denn dort an deiner Schnabelspitze?"
„Wo? Ach, bestimmt noch ein Fellhaar der Ratte!"
Klebsi wischt einmal flüchtig mit der Kralle über den Schnabel. Doch das Haar bleibt hängen.
´Eigenartig, sitzt aber ziemlich fest!`, grübelt Quaki einen Moment lang.
Weil er sich aber so sehr darüber freut, dass der Uhu wieder putzmunter ist, ist ihm das Haar an dessen Schnabel dann völlig unwichtig.

„Uhuuh, ich fühl mich soo wohl!“, krächzt Klebsi vergnügt und macht Pläne:
„Hier ist es schön. Sollen wir uns ein wenig umsehen?“
„Na klar!“
Quaki ist begeistert. Übermütig dreht Klebsi über seinem Kopf Kreise, lässt sich fallen, schießt wieder hoch und macht zwischendurch sogar einen Purzelbaum. Der Frosch unter ihm hüpft derweil ausgelassen herum und quakt dröhnend laut dabei. Klebsi ermahnt ihn:
„Uhuuh! Sei ein bisschen leiser. Vergiss nicht, wie auffällig du jetzt aussiehst!"
Doch der ist viel ist zu aufgedreht, um es ernst zu nehmen:
„Keine Bange! Mich kriegt keiner. Guck mal!"
Und er springt so hoch in die Luft, dass es fast aussieht, als ob er fliegen würde.
´Hoffentlich geht das nur gut. Wenn er so weitermacht ...`, seufzt der Uhu besorgt.
„Quuak, quahaak! Ich bin der schönste Frosch der Welt!“, schmettert Quaki.
„Psst, hör auf damit, um Himmelswillen!!“
Unbeirrt setzt der Frosch die Turnübungen fort. Klebsi späht nach allen Seiten, ob von irgendwoher gar Gefahr droht.
„Hm, nichts. Oder ist dort hinten etwa ... ?“
Angestrengt blinzelt er in die Ferne und schreit entsetzt:
„Vorsicht, ein Storch!!“
Quaksi erschrickt furchtbar und duckt sich ins Gras.
„Klebsi, ich hab solche Angst!“
Nun ist guter Rat teuer, denn Klapp, der Storch, hat den knallbunten Frosch längst entdeckt und stolziert rasch auf ihn zu. Nur noch wenige Meter trennen ihn von dem Leckerbissen.
„Klebsii! Tu doch etwas!!“
„Rühr dich nicht von der Stelle. Dem werde ich einheizen!“
Mit rasendem Herzklopfen drückt sich der Frosch platt auf den Boden.

Der Uhu schießt wie ein Düsenjäger auf den Storch zu. Völlig überrumpelt bleibt dem gar keine Zeit mehr, sich erst noch lange zu wundern, denn schon hackt Klebsi überall, wo er ihn nur erwischen kann, auf ihn ein.
„Aua, klappklapp!“, klappert Klapp und versucht zurückzuhacken.
Aber der Uhu weicht geschickt aus, stürzt sich auf Klapps Hals und umklammert ihn mit dem Schnabel.
„Lass mich sofort los oder ... “, krächzt der Storch.
Aber dann verstummt er fast, denn Klebsi kneift fester zu. Klapp windet sich heftig, aber vergeblich. Er klebt am Schnabel des Uhus fest, strampelt verzweifelt und reißt sich dabei einige der prachtvollen Federn aus. Klebsi trägt bereits einen dichten, weißen Bart wie der heilige Nikolaus. Quaki beobachtet alles aus sicherer Entfernung. Sein Freund schüttelt den Storch hin und her, dass dem Hören und Sehen vergeht:
„Ich lass dich nur wieder los, wenn du versprichst ...“, droht Klebsi.
„Alles, alles, was du willst!“, röchelt der.
„Du wirst also meinen Freund nie mehr verfolgen, so lange du lebst?“
„Klapp, jaah!“
Kraftlos baumelt der Storch an Klebsis Schnabel. Der Uhu betrachtet ihn kritisch:
„Na gut. Aber wehe dir, wenn ...“
„Nein. Ganz bestimmt nicht!“, röchelt Klapp mit letzter Kraft.
Klebsi trägt seine ungewöhnliche Last zum Fluss und badet den Schnabel in dem warmen Wasser. Wenig später ist der Storch wieder frei.
„Danke!“, verzieht er sich auf wackelnden Beinen.
„Es hat gereicht. Das traut der sich kein zweites Mal!“
Zufrieden reibt sich Klebsi an einem Stein den weißen Bart ab und flattert fix zurück zu Quaki. Aufatmend guckt der ihn an.
„Klebsi??“
„Uhuuh?“
„Hattest du dir den Schnabel etwa mit Kleber eingeschmiert??“
Der Uhu grinst.

Quaki ist endgültig die Freude an seinem grellen Kleid vergangen.
„Klebsi, quuaak! Wenn ich doch bloß der grün wäre ...“
„Steig auf. Ich bring dich zu Zauberschön!“
Der Frosch springt auf seinen Rücken, kuschelt sich tief ins Gefieder, schnappt nach einer der Nackenfedern und hält sich an ihr fest. Schnell fliegen sie zum Waldesrand zur Feenhöhle. Erleichtert hüpft Quaki auf den Boden. Während des Fluges ist es ihm doch ein wenig schwindelig geworden. Schließlich sausen Frösche nicht jeden Tag am Himmel entlang.
„Danke, Klebsi!“
„Hab ich gern getan!“, lacht der. „Bis bald! Tschüss!“
Und fliegt von dannen.
Quaki sortiert die Beine und singt zum zweiten Male sein schönstes Froschlied. Wieder erscheint die Fee.
„Nanu?“, fragt sie überrascht.
„Ja, es ist nämlich ... “, stottert er verschämt und schildert ihr, wie er als grellbunter Frosch nur mit knapper Not dem Tod entgangen ist.
„Wenn mir mein Freund Klebsi, der Uhu, nicht geholfen hätte ... Ich bin ja so dumm gewesen! Liebe Fee, bitte, bitte, kannst du mich wieder grün zaubern?“
Zauberschön lächelt fein:
„Siehst du: Alles im Leben hat seinen Sinn!“
Wieder murmelt sie einen Zauberspruch. Quakis buntes Kleid verblasst und dann ist er wieder genauso grün wie vordem.
„Danke Zauberschön!!“
Glücklich hüpft Quaki davon.
„Puuh, bin ich froh, die olle Farbe los zu sein. Endlich bin ich wieder ein ganz normaler Frosch!!“

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