#1 Will abaa niich! von tastifix 30.03.2017 18:45

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Marion und Uli sitzen im Sandkasten. Mit ihren fünf und sechs Jahren sind sie bereits ausgezeichnete Architekten. Das Schloss mit dem Turm und die Tunnelanlage zeugen davon. Die Umgebung ringsum haben die Zwei völlig vergessen, fühlen sich dagegen als Burgfräulein und Ritter. Aber etwas fehlt noch dazu ...
Uli:
„Wenn Du mein Burgfräulein bist, musst Du mich abaa jetzt küssen!"
Marion:
„Wieso?"
„Weil - in den Filmen machen die das auch imma so!"
Marion schüttelt heftig den Kopf:
„Muss ich gar nich, pööh!"
„Wohl!"
„Nein!"
„Musste doch!"
Der wütende kleine Möchtegern-Ritter wirft die Schaufel zur Seite, streift sich notdürftig an der Hose den Sand von den Händen ab und greift nach seinem Möchtenicht-Burgfräulein. Das aber wird biestig und schubst den aufdringlichen Verehrer in den Sand, genau auf einen der kunstvollen Tunnel. Uli brüllt wie am Spieß, denn ohne die Fahrt durch den Tunnel kommt man nicht zum Schloss. Marions Korb aber hat er scheinbar bereits wieder vergessen. Das begehrte Mini-Weib hockt derweil ziemlich ungerührt neben ihm.
„Heulsuse!"
Uli trifft es wie ein Keulenschlag ins Gesicht. Prompt verstummt er, schnieft ein paar Male, fährt sich mit der dreckigen Hand durchs Gesicht und erinnert sich urplötzlich wieder der erlittenen Schmach.
„Doofe Kuh!"
„Dämlicher Ochse!"
Es bringt das Fass zum Überlaufen. Mit puterrotem Gesicht stürzt sich Uli auf Marion und umklammert sie.
„Auaa!"
Jetzt heult Marion und zwar so, wie es nur Frauen können, nämlich wie eine Sirene und erschreckend ausdauernd. Uli geht es zunehmend auf die Nerven.
„Höör auf!!"
„Ich heul solange, wie ich will. Huuuuh!!"
Grübelnd steht Uli vor seiner Marion, die gar nicht seine sein will. Alleine weiter zu spielen, hat er keine Lust. Sich mit einem weiblichen Springbrunnen den Sandkasten zu teilen, aber auch nicht. Also lässt er sich etwas einfallen.
„Kannst aufhören. Ich küss dich bestimmt nie mehr. Versprochen!"
Genauso prompt wie vor wenigen Minuten Uli stellt nun Marion ihr Flennen ein. Leider muss Uli dann einsehen, dass damit der Konflikt keinesfalls beigelegt ist. Offensichtlich ist Marions Gefühlswelt völlig durcheinander geraten, denn überraschend geht ihr nun dieses uncharmante Versprechen arg gegen den jungfräulichen Stolz. Fassungslos starrt sie Uli an. Ihr Mund verzieht sich zu einem gefährlichen Flunsch und dann schreit sie steineerweichend los:
„W...wenn du mir jetzt nicht sofort nen Kuss gibst, sag ich es meiner Mama!"
Uli versteht überhaupt nichts mehr und schon gar nicht seine Freundin. Weil er jedoch auf die Schimpfe von Marions Mama lieber verzichten möchte, zumal Marion ja nun endlich sein Burgfräulein werden will, ergreift er die Gelegenheit beim Schopf und gibt Marion einen schüchternen Kuss auf den Mund.
„Uund?", will er wissen.
Die hustet angeekelt.
„Schmeckt nach Sand und nass war der auch!"
Ostentativ wischt sie sich mit dem Handrücken über den Mund. Dann meckert sie:
„Pfui, mach das nie wieder!!"

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