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Die Farben des Tangos

Erstellt 26.04.2024 16:58 von earthwind 26.04.2024 16:58 In der Kategorie Allgemein.

Jules Tavel war einer der letzten, die das große Schiff verließen. Er schulterte seinen Rucksack und mit der freien rechten Hand hielt er das Instrument mit dem Gurt fest an den Körper gepresst, ein Musikinstrument von ungewöhnlicher Bauweise: eine achteckige Harmonika, gefertigt aus Holz, Horn und Ziegenleder, ein Bandoneon. Das Musikinstrument dieses schmächtigen jungen Franzosen war eines der ersten seiner Art, die Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in Argentinien einen wichtigen Einfluss auf die Musik des Tangos genommen haben. Einige wenige dieser Bandoneons, benannt nach dessen Erfinder Heinrich Band, waren zuerst von deutschen Einwanderern nach Südamerika gebracht worden. Jules hatte ein solches Instrument von seinem Großvater Bertrand aus Brignoles zum Abschied als Geschenk erhalten. Mit diesem Instrument fand er Erfüllung als Musiker im Zentrum dieser Musik, im Hafenviertel Buenos Aires', La Boca, mit seinem anrüchig morbiden Charme, in Kneipen und Bordellen. Außenseiter waren sein Publikum, einsame Seeleute, arme Einwanderer sowie Tagelöhner, die versuchten, ihr trostloses Dasein in diesem Milieu zu betäuben.

Es war die besondere tonale Mischung dieser Musik, in die sich die verlorenen Seelen des Barrio La Boca fallen ließen. Eine eindringliche Melange aus Elementen andalusischer und neapolitanischer Folklore, Tonleiter verknüpft mit Akkorden: scharf bis sanft, schwermütig und mythisch. Dieser schmächtige, zurückhaltende Musiker fing sie alle ein mit seinem virtuosen Spiel, wenn er, meist zusammen mit Pianist und Geiger, in seinem Stammlokal, dem 'Paraiso Oscuro', zum melancholischen Tango aufspielte. Es war nicht allein das mit traumwandlerischer Sicherheit Beherrschen der Tonknöpfe des Bandoneons. Die schwer zu durchschauenden, unwegsamen, komplizierten Griffwege waren es, die sein Spiel ausmachten. Jules erreichte eine nahezu perfekt klingende Prägnanz und Durchlässigkeit der Töne. Dabei half ihm seine angeborene Fähigkeit, beliebige Töne exakt bestimmen zu können. Zusammen mit der seltenen Begabung, in seine Klangmuster harmonische Farbwahrnehmungen mit einzubeziehen, entstand eine einzigartige Darbietung. Er, der im Alltagsleben unscheinbare Musiker, der keine Noten lesen konnte, spielte seine Musik wie von einer inneren farbigen Partitur herunter. Jules Tavel konnte nicht beschreiben, was er hierbei in seinem Farbgedächtnis erlebte. Er sah die Farben einfach - klar und deutlich, und richtete sein Spiel danach aus. 'Tavelito', so nannte man ihn im Barrio, ist einer der vergessenen Urväter des Tangos jener Tage. Eine Gelegenheit, auch außerhalb seines angestammten Viertels bekannt zu werden, scheiterte an einem tragischen Unglück. Der international berühmte Tangosänger und Komponist, Carlos Gardel, hatte dieses Ausnahmetalent auf einem seiner nächtlichen Streifzüge durch La Boca entdeckt. Die beiden wurden kongeniale Brüder im Geiste. Carlos wollte Jules in gemeinsame Auftritte einbinden. Dazu kam es aber nicht, der Sänger verunglückte bei einem Flugzeugabsturz tödlich.

Tavelito hat sein Barrio künstlerisch nie verlassen; seine einzigartige, ausdrucksvolle Musikalität ist nirgendwo dokumentiert. Das einzige, was heute noch auf ihn zurückzuführen ist, sind die farbenfrohen Hauswände in La Boca, im Viertel um die Calle Caminito herum. Tavelito war es, der mit seinen Farbestimmungen die bunte Vielfalt der Häuserfronten aus Wellblech entscheidend beeinflusst hatte, nachdem die vorher im Viertel vorhandenen, unansehnlichen Holzhütten von einem verheerenden Orkan weggefegt worden waren. Die neuen Wände der Hütten wurden nicht einfach nur bunt gestrichen, ihre Farben korrespondierten harmonisch miteinander, wie in einem genialen Klang von Tonfarben. Das gesamte Barrio wurde durch diese neue Farbgebung zum optischen Erlebnis und ist es bis zum heutigen Tage geblieben.

Wenn Altbewohner des Viertels von früheren Zeiten erzählen, ist mitunter noch von den Farben des Tangos die Rede. Scharen von Touristen kommen hierher, um diese beliebten Fotomotive abzuarbeiten. Die Originalstimmung jedoch, die kann niemand mehr einfangen. Vielleicht andeutungsweise das Flair früherer Zeiten, wenn sich nach schweren Regengüssen bunte Ölflecken in den Pfützen spiegeln und der Wind eine warme Brise von der Mündung des Rio de la Plata ins Barrio weht. Dann ist selbst der Geruch wie früher: eine eindringliche Mischung aus brackiger, schwüler Seeluft, vermengt mit der Witterung von abgestandenem Schiffsdiesel. Die dazugehörige, authentische Musik von damals aber bleibt verstummt.



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Erstellt 08.06.2019 22:50 von Karina Grundmanne 08.06.2019 22:50 In der Kategorie Allgemein.

Szenen I - IV - Als Kind in Lettland



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Meine Engelgeschichte

Erstellt 24.03.2017 16:12 von Hans Peter 24.03.2017 16:12 In der Kategorie Allgemein.

Meine Engelgeschichte

von © Hans Peter Schulzke

Sachte schwebte der schöne große in - den - Himmel holen - Engel über die Straße, setzte sich dann auf eine Bank die dort auf dem Gehweg stand.
Von dort beobachtete er den Menschenauflauf, er dachte schon gar nicht mehr nach, wie oft er schon so einen Einsatz gemacht hatte.

Nun sah er wie ein kleines Mädchen sich hell schimmernd aus der Menge der Neugierigen empor hob.
Er schwebte zu dem Kind und nahm es liebevoll in den Arm.

Wer bist du ? fragte Julia, den Engel dabei fragend ins Gesicht schauend.
Ich bin der in - den - Himmel holen - Engel und nun müssen wir los.

Ich will aber nicht weg, ich muss doch auf Mutti warten die da auf der Trage von dem Rettungswagen der Feuerwehr liegt.
Was ist denn mit Mutti, ist sie krank ?
Nein Julia, deine Mutti ist nur ohne Bewusstsein, der Notarzt gibt ihr gerade ein kreislaufstärkendes Mittel.

Der Engel schwebte nun etwas höher, was Julia aber zu einem lauten Schrei veranlasste.
Ich will aber nicht von Mutti weg, lass mich sofort runter !
Julia, sprach der Engel nun mit Engelszungen, ich muss dich in den Himmel holen, dafür bin ich zur Erde runter gekommen.

Aber Julia schrie weiter. Nun gut, sagte der Engel, und schwebte wieder hinunter und setzte sich wieder auf die Bank.
Julia wollte sofort runter vom Schoß um zu ihrer Mutti zu rennen, die gerade in den Rettungswagen geschoben wurde. Sie war angeschnallt, und der Notarzt hielt ihre beiden Hände ganz fest in seinen.
Siehst du, nun wollen sie mit Mutti wegfahren. Ich muss doch mit, hörst du denn nicht dass sie laut nach mir ruft ?

Ja Julia, ich höre dass sie nach dir ruft, aber schaue doch mal dahin wo der Kleintransporter steht.
Da liegst du unter dem weißen Tuch.

Erschrocken schaute Julia dort hin, und sah sich dort unter dem Tuch schmutzig liegen.
Wieso liege ich da so komisch, obwohl ich doch auf deinem Schoß sitze ?
Weil du nun auch ein Engel bist, da liegt nur dein Körper, der vom Kleintransporter beim Rückwärtsfahren überrollt wurde.

Ja ich weiß noch wie weh es getan hat, und ich wollte mich doch nur dahinter verstecken. Damit Mutti mich nicht sofort mit ihrer neuen Brille sehen kann, die sie gerade abgeholt hat.
Und mein Eis ist auch ganz geschmolzen, darum bin ich ja draußen geblieben, damit ich im Geschäft nichts versaue.
Nun aber schnell, hinter dem Rettungswagen her, ich kann ihn schon nicht mehr sehen, höre nur noch das Tatü Tata.

Nein Julia, wir können nicht zu deiner Mutti, wir haben eine andere Richtung.

Wieder fing Julia ganz laut an schreien, und bestand darauf, dass sie aber erst noch ihre Lieblingspuppe aus dem Kinderzimmer holen. Ohne ihre Puppe würde sie auf keinen Fall wo anders hinwollen.

Nun gut, sagte der Engel zu Julia, dann also noch deine Puppe holen. Aber dann schreist du nicht mehr, versprochen ?
Ja ja, sagte Julia, und merkte schon wie sie über die Häuser schwebten.

Halt, rief sie plötzlich ganz schrill, da unten spielen meine beiden Freundinnen auf dem Spielplatz. Und ohne dass ich mich nicht von denen verabschiedet habe, weil du mich ja in den Himmel mitnehmen willst, gehe ich einfach nicht mit.
Und sie strampelte heftig mit ihren beiden Beinen, wie sie es bei Mutti auch immer gemacht hatte um ihren Willen durch zu setzen.
Der Engel wollte das Gestrampel nicht, darum gab er nach und landete auf dem Spielplatz.

So Julia, nun höre mal genau zu, du kannst dich nicht verabschieden, weil deine Freundinnen dich nicht sehen können.
Ich kann sie doch sehen, also müssen sie mich doch auch sehen können.

Nein Julia, du bist ja jetzt ein Engel, und Menschen können Engel nicht sehen und auch nicht berühren.
Also das glaube ich aber nun wirklich nicht, obwohl Mutti mir das auch schon einmal gesagt hat. Und da habe ich auch gedacht, sie kann mir ja viel erzählen.
Und was ist nun, ich sehe dich, ich spüre dich, ich sitze auf deinen Schoß ? Also kann ich doch Engel sehen und berühren, sagte Julia trotzig.

Da du mir ja nicht glaubst probiere es selber aus, gehe hin und spreche mit deinen Freundinnen, gebe ihnen die Hand und sage Tschüß, weil du nun eine lange Reise machen musst.
Julia sprang vom Schoß und rannte zu der Schaukel. Hallo Kati, hallo Paula rief sie ganz aufgeregt.

Doch Kati und Paula schauten nicht mal in ihre Richtung. Julia blieb nun zwischen den Beiden stehen, und die schaukelten einfach weiter. Sie streckte ihre Hand aus, und würde Kati nun an der Kette festhalten. Aber nichts geschah. Sie ging auf Paula zu, und hätte nun eigentlich von Kati umgeworfen werden müssen, die einfach durch sie hindurch weiter schaukelte.

Sie schrie die Beiden an, seht ihr mich denn nicht ? Keine Reaktion, sie schaukelten weiter um die Wette wer höher kommt.
Nun glaubte Julia endlich was ihr der Engel gesagt hatte, doch verstehen konnte sie das einfach nicht.

So Julia dann komm, wir müssen ja deine Puppe noch holen, ich habe es dir ja versprochen.

Sie schwebten über den kleinen Park der direkt am Spielplatz anschließt, da kam der nächste Schrei.
Halt Engel, ich muss für Mutti noch einige Blümchen pflücken, dass habe ich immer gemacht wenn ich vom Spielplatz mit ihr gekommen bin. Und jedes Mal hatte Mutti gesagt, dass sie sich sehr über die Blümchen freut.
Gut sagte der Engel mit seiner sanften Stimme, dann pflücke noch einige Blümchen, damit deine Mutti sich freut wenn sie morgen aus dem Krankenhaus kommt.

Julia pflückte sonst nur die kleinen Gänseblümchen vom Rasen, doch heute wollte sie als Entschuldigung weil sie sich ja verstecken wollte, für Mutti einfach die verbotenen Rosen abbrechen.
Sie wunderte sich nur, dass es überhaupt nicht weh tat obwohl sie in die Dornen reinfassen musste.
Auch kam kein Blut an der Stelle wo sie sich mehrmals gestochen hatte.

Warum blute ich nicht ? Fragte sie den Engel.
Weil du nun auch ein Engel bist, und Engel haben nun mal nichts Irdisches mehr.
Brauche ich dann auch nicht trinken und essen ?

Nein, kam die Antwort. Du wirst noch eine Weile brauchen, ehe du alles begreifen wirst.
Ich habe als kleiner Engel auch erst viele Fragen gehabt, und nicht alles sofort begriffen.
Aber siehst du, ich habe gelernt, bin größer geworden, und habe nun die Aufgabe bekommen die noch kleinen Engel von der Erde zu holen.
Julia nun komm, wir fliegen nun zu eurem Haus. Siehe da ist es schon.

Woher weißt du denn das es unser Haus ist, da sind doch so viele in der Neubausiedlung ?

Ein Aufgabenengel wie ich bin, weiß das eben, wie sollte ich dich denn sonst gefunden haben ?
Und wie kommen wir nun ins Haus, ich habe keinen Schlüssel ? Fragte Julia.

So, dann halte mal meine Hand ganz fest, und wir gehen nun einfach durch die Mauer ins Wohnzimmer.
Das geht doch überhaupt nicht, erwiderte Julia mit ungläubigen Blick zur Mauer.

Sie wusste noch genau wie weh es getan hatte, als sie vor kurzem mit ihrem Fahrrad die Kurve nicht richtig bekommen hatte, und sich an der Mauer den Ellbogen aufgeschrammt hatte.

Aber ehe sie noch weitere Fragen stellen konnte, standen sie schon im Zimmer.
Der Engel ging zum Schrank und holte eine schöne Vase hervor. Und wieder wollte Julia fragen woher der Engel denn wusste, dass dort im Schrank die Vasen stehen, sagte der Engel mit einem zauberhaften Lächeln, Engel wissen einfach alles.

Nun stelle aber die Rosen hier ins Wasser hinein, sagte er, als er durch die Wand aus der Küche kam, wo Wasser in die Vase gefüllt wurde. Und nun liebe Julia hole deine Puppe, es wird Zeit, ich muss mit dir zurück.

Ach lieber Engel, schau dir mal mein Kinderzimmer an. Mutti hatte mir noch am Morgen gesagt, bis heute Abend muss das alles gut aufgeräumt sein, sonst gibt es keine Gute - Nacht - Geschichte.
Und die höre ich doch so gerne, darum wollte ich es gleich wenn wir nach Hause kommen machen.

Gut, dann stell du mal deine Schlappen in den Schuhschrank, in der Zeit ist dann dein Zimmer aufgeräumt.
Ach das geht doch gar nicht, ich brauche immer 2 Stunden dazu, sagte Julia.

Der Engel nahm sie an die Hand und wollte schon durch die Wand mit ihr gehen, als Julia sich heftig losriss und in ihr Zimmer stürmte. Da stand sie erst einmal mit offenem Mund, denn alles war so blitzblank aufgeräumt, wie sie selber es auch in der doppelten Zeit nicht geschafft hätte.

So und was willst du denn noch hier, wolltest mich doch wohl nicht kontrollieren oder ? Sagte der Engel mit einem verschmitzten Lachen.
Nein, ich wollte Mutti nur noch schnell einen Zettel zu den Rosen legen, und schreiben, dass sie mir nicht böse sein soll, weil sie ja nun wegen mir ins Krankenhaus gekommen ist.

Habe ich schon gemacht, sagte der Engel, denn ich kann auch deine Gedanken lesen.
Und was hast du auf den Zettel geschrieben, kann ich ihn noch lesen ?

Ja gut, aber dann geht es ohne Verzögerung zum Himmelstor, versprochen ?
Zum Tisch laufend rief Julia, versprochen.

Liebe Mutti, du hattest Recht, Engel kann man nicht sehen, auch nicht berühren, aber nur als Mensch nicht.
Ich habe nun einen lieben Engel um mich, der mir alles erklärt, weil ich ja noch so viele Fragen habe, was du ja alles nicht wissen kannst.
Ich fliege nun mit ihm zum Himmelstor, und weißt du was er mir verraten hat, du bekommst bald eine neue Tochter die du Michaela nennen wirst.
Und durch Michaela bin ich dann jeden Tag wieder bei dir. Also sei bitte nicht so traurig, denn wenn Michaela zur Welt kommt, dann bringt mich der liebe Engel zurück auf die Erde.
Nur liebe Mutti, musst du ganz feste daran glauben, sonst klappt das nicht, sagte der liebe Engel.

Und sei bitte nicht böse wegen meiner Dummheit heute morgen, ich habe dich ganz dolle lieb,
und drücke Papi ganz feste von mir. Deine Julia



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Kindleins Kind

Erstellt 06.01.2016 19:00 von rizei 06.01.2016 19:00 In der Kategorie Allgemein.

Kindleins Kind


© Jo Rizei 2.1.2016


Im Bettchen liegt
das Kindlein klein,
zum Himmel fliegt,
die Freude, fein.

Lernt zu laufen
und auch sprechen.
Geht zum Taufen,
kann schön lächeln.

Wie weiter,
im Leben?
Bleibt´s heiter,
wird´s streben?

Schule aus,
erwachsen, schnell
in Welt hinaus.
Heiratet Annabell.

Enkel kommt,
in Wiege blickt,
Oma prompt,
selig verzückt.

Im Bettchen liegt,
das Kindlein klein,
zum Himmel fliegt,
die Freude, fein!



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Apfelbaum-Gezwitscher

Erstellt 03.01.2016 11:42 von rizei 03.01.2016 11:42 In der Kategorie Allgemein.

Apfelbaum-Gezwitscher



© Jo Rizei

In einem alten Apfelbaum
zwischen Ästen gut geborgen,
Vögel aus dem ganzen Raum,
treffen sich dort jeden Morgen.

Innen, in des Baumes Mitte,
belebt von Federgetier,
steht sie da, die Vogelhütte.
Schnee ist ihres Daches Zier.

Auch die Äste sind ganz weiß,
beim Treiben und beim Singen,
rund um einen Kolben Mais,
treffen sich dort Spatzen, Finken.

Krähen sind zu groß für rein,
für sie ist da nichts zu kriegen,
man hört sie daher furchtbar schreien:
„Ihr solltet in den Süden fliegen!“

Spatzen, Amseln grinsen leise,
eine Meise am Knödel hing,
rufen hört man diese Meise:
„Alle Krähen die sind link“.

„Schert mir etwas Futter raus!“
bettelt hungrig laut die Krähe.
„Nichts da, da wird nicht draus!“
Ruft der Kibitz in der Nähe.

„Das ganze Jahr hast du uns gejagt,
nichts gegönnt und nachgesetzt,
wie oft hast du uns verzagt,
nicht selten vor dir her gehetzt.

Das war wirklich nicht sehr helle,
flieg an einen anderen Ort!“
Die Krähe sucht eine Futterquelle.
Und darum ist sie nun fort.



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Der Krummbaum

Erstellt 24.12.2015 22:01 von rizei 24.12.2015 22:01 In der Kategorie Allgemein.

Der Krummbaum



© Jo Rizei

In einem nicht all zu weit entfernten Land, in der Nähe eines einsamen Dorfes, standen, abseits der Straße und dem Lärm des Alltags, einige Dutzend Blautannen. Vor Jahren hatte sie dort ein alter Mann als kleine Pflänzlein gesetzt in der Absicht, sie später einmal, wenn sie die entsprechende Größe erreicht hätten, kurz vor Weihnachten zu verkaufen, damit sich die Leute ihre Wohnung an den Feiertagen mit herrlichen Tannenbäumen schmücken könnten. Jedes Jahr kehrte der alte Mann im Frühjahr und im Herbst zu der Tannenbaumschonung zurück. Dann hegte und pflegte er die Tannenkinder, auch wenn sie hier und da schon durch den Verbiss wilder Tiere Schaden erlitten hatten. Doch im siebten Jahr, nachdem der Mann sie gesetzt hatte, kam er im Frühjahr nicht mehr zu ihnen. Darüber herrschte in der Tannenschonung einige Unruhe und die Tannen tuschelten vom Wind getragene Worte als er auch im Herbst nicht erschien.

Man muss wissen, dass die Tannen sehr stolz darauf waren, einst Weihnachtsbäume zu werden. Jede sehnte sich nach dem Moment, an dem sie von ihrer verwurzelten Stelle wegkam, um stattlich geschmückt in einem warmen Raum stehend in glückliche Kinderaugen zu blicken. So mussten sie nicht das Schicksal ihrer großen Artgenossen teilen, die jahrzehntelang in die Höhe wuchsen um nach dem Fällen in Stücke zerschnitten zu werden. Nein, dies war ein edleres Ziel, dessen waren sie sich sicher. „Wo bleibt der alte Mann?“ wisperte die große Blautanne am Anfang der Schonung, als das hochwachsende Gras sie an ihren untersten Ästen kitzelte. Die große Tanne wurde von allen nur Grota genannt, so hatten sie sich Namen gegeben. Tannen, welche sich für besonders schön hielten, wählten Endungen mit –ta für Tanne. Kleita, die kleine Tanne, hauchte: „Ja, letztes Jahr hat er mir das Gestrüpp weggeschnitten, so dass ich mehr Sonne abbekommen habe und gut gewachsen bin“. „Und mich hat er zurechtgeschnitten, nun stehen meine Äste noch gleichmäßiger ab,“ ergänzt die ebenmäßige Ebenta. Und jenen, die man nicht für schön hielt, gab man die Endung –ba für Baum oder noch abfälliger –ho für Holz. War es doch das Schicksal eines Baumes, zu Brettern verarbeitet zu werden, als Industrieholz oder Brennholz zu enden.

In der Mitte der Schonung stand eine Tanne, die vom alten Mann immer wieder aufgepäppelt wurde. „Ich glaube an dich!“ hatte er ihr stets leise zu verstehen gegeben, während einige Nachbartannen nur kicherten, war sie doch schon des Öfteren angeknabbert worden und Mäuse hatten ihr Wurzelwerk beschädigt. Schlingpflanzen umringten sie immer wieder und so kam es, dass sie nicht gerade wuchs sondern mehrfach gekrümmt war. Sie sah fast aus wie ein zu groß geratener Bonsai-Baum. Obwohl die Vögel sie als Lieblingsplatz erwählt hatten, wurde sie von ihren Nachbarbäumen nur verächtlich Kruba für Krummbaum genannt. Direkt daneben war Altholz, kurz Altho, eine Tanne der schon die Nadeln ausfielen und welche dahinsiechte, wohl wissend, dass sie nur noch als Dünger für die anderen Pflanzen und als Futter für Insekten diente. Altho war mit ihrem Dasein dennoch zufrieden und beklagte sich nie. Sie sah in jeder Lage das Gute, weshalb sie auch die Achtung aller anderen Tannen erhielt, obwohl man unter vorgehaltener Hand bzw. vorgehaltenem Ast über sie tuschelte.

Wirklich gut leiden mochten sich nur Kruba und Altho. „Ich glaube, dass der alte Mann vom Schicksal gefällt wurde“ meinte Altho zu Kruba. „Ja, kann sein, doch wie soll es mit uns weiter gehen?“, fragte Kruba. „Wahrscheinlich wird ein anderer nach uns schauen kommen,“ vermutetet Altho. „In diesen oder nächsten Jahr sollte das geschehen, sonst werden wir zu groß“ meinte Grota. In diesem Jahr kam allerdings keiner. Der alte Mann war tatsächlich verstorben, wie Altholz schon vermutet hatte und seine Erben erfuhren erst später von der abgelegenen Weihnachtsbaumkultur. Und auch im kommenden Frühjahr kam niemand. Altho war im Winter zuvor von einem Rothirsch niedergetrampelt worden. Die anderen Tannen hatten sein Schicksal bedauert und vergaßen dann, dass es sie je gegeben hatte. Nur Kruba trauerte wirklich, hatte er doch den einzigen Freund verloren. Und als es Winter wurde und immer weniger Vögel ihm Gesellschaft leisteten, war er sehr einsam. Seine stolzen Nachbartannen hatten sich in diesem Jahr besonders gerade in die Höhe gestreckt und sie blickten auf seinen buckeligen Hauptstamm in der Mitte herab. „Du wirst wohl als Industrieholz enden“ rief Freschta, die eine Baumreihe weiter stand, ihm zu. „Ja, als Holzfaserplatte“ ergänzte fies Fiesta. Kruba ließ traurig die Äste hängen. Was er auch sagte, man antwortete ihm mit Häme und Spott und selbst wenn er nichts sagte, machte man sich über sie lustig.

Anfang Dezember kam dann Otto mit seinem zehnjährigen Sohn Heinrich und der achtjährigen Tochter Kornelia. Otto war ein Nachkomme und Erbe des alten Mannes. „Seht ihr Kinder, diese Tannen hat euer Opa Johann vor acht oder neun Jahren gepflanzt. Er hat bestimmt öfters nach ihnen geschaut, schaut mal wie schön eben und gleichmäßig sie sind. Das werden prächtige Weihnachtsbäume werden. Leider sind es nicht all zu viele, doch wenn wir diese alle verkaufen, so können wir gemeinsam von dem Geld ein paar Tage Urlaub machen.“

So lief er mit der Axt in der Hand durch die Tannenbaumkultur. „Aber fürs erste suchen wir uns selbst einen schönen Baum aus. Und hier, ein ganz krummer Baum, ich glaube, den haue ich um, damit er den anderen kein Licht wegnimmt, der ist doch sonst nicht zu gebrauchen“, meinte Otto und holte mit der Axt aus, als er bei Kruba ankam. Doch ein umher wirbelnder Buchfink hielt ihn zuerst ab, unüberlegt zuzuschlagen. Otto wusste nicht, dass sein Vater Johann sich gerade mit Kruba besonders viel Mühe gegeben hatte.

„Oh nein, Papa, nicht einfach umhauen und wegwerfen!“, rief da Kornelia, „der Baum ist wunderschön!“. Zuerst schaute Heinrich seine Schwester ganz skeptisch an. Dann schaute er auf den Baum, um den immer noch der Vogel wild gestikulierend zwitscherte. „Ja Papa, das ist doch ein ganz besonderer Baum. Sieh nur, der Vogel mag ihn auch!“. „Der kann sich andere Bäume suchen!“ raunte Otto mürrisch, hatte er doch nicht mit dem Widerstand seiner Kinder gerechnet. Und dann schaute er sich den Baum nochmals an: Wie eine Spirale war der Mittelstamm des Baumes nach oben gewandelt. An jeder Seite hingen dicke und gesunde Äste mit starken leicht stacheligen Nadeln. „Dem Baum fehlt ja jede Symmetrie“, entfuhr es dann Otto, weniger verächtlich als eher mit aufsteigender Bewunderung für das gelungene Kunstwerk der Natur. „Was ist Simmerie?“ fragte Korneilia Heinrich, doch der überhörte die Frage und ergänzte trocken, „Ich finde, er ist hübsch ungleichmäßig“.

Alle drei standen nun um Kruba und überlegten. „Papa, ich will deeeeeen als Weihnachtsbaum!“, rief Kornelia dann laut und stampfte mit einem Fuß fest auf den Boden. „Aber Mama wird sagen, dass wir mit diesem Baum nichts anfangen können. Wenn er im Ständer ist, kippt er immer um, weil er ja ganz schräg ist“, gab Papa zu bedenken. „Dann binden wir ihn eben mit Seilen“ beratschlagte Heinrich seinen Vater. „Ja und kleben ihn mit Tapetenkleister am Boden fest“ gab Kornelia auch ihrem Wunsch Ausdruck, dass nur dieser eine Baum unmissverständlich der Auserwählte sei. Otto versuchte noch eine List um Zeit zu gewinnen, so dass man es sich nochmals alles hätte überdenken können: „Gut, wir hängen ein Tuch dran und nächste Woche hole ich ihn!“. „Nein, du hast versprochen, dass wir heute den Baum bekommen und Mama wartete darauf. Außerdem, wer weiß, ob das Tuch nächste Woche noch da ist“ widersprach Heinrich, von der heftig nickenden Kornelia unterstützt. Diese nutzte die Gunst der Stunde: „Wir stimmen ab, wer ist für den Baum?“ Heinrich und Kornelias Finger fuhren ruckartig nach oben. Otto, der die Gefahr der drohenden Abstimmungsniederlage aus unendlich vielen politischen Sendungen kannte, zeigte dann ebenfalls auf und somit war man sich einig: Dieser Baum, der ist es. „Wenn Altholz das noch erlebt hätte“ raunte Kruba, als Heinrich und Otto ihn gemeinsam durch den Tannenwald trugen, während Kornelia die schwere Axt hielt, im ganzen Gesicht strahlend wie eine Königin.
Nur die anderen Tannen blickten nicht mehr verächtlich, eher ungläubig. „Pfeff… Unverschämtheit“ war das Letzte, was Kruba noch von ihren neidischen Kollegen hörte. Und das erste Mal seit langem überkam Kruba eine große Freude.

Mama war tatsächlich zuerst ungläubig, doch nachdem Otto den Baum hingestellt hatte und ein Seil diesen gegen Umkippen sicherte, da meinte sie. „Ja, das ist ein besonders schöner Baum. Seine Schönheit liegt genau darin, dass er nicht gerade ist und sein Stamm weich geformte Kurven bildet. Der schönste Baum, den wir je hatten.“ Gemeinsam schmückten sie die Tanne und bald konnte Kruba in die glücklichsten Augen von Kindern sehen und, was ihm keiner gesagt hatte, auch in die von Eltern.

Nach Silvester stellte Otto die Tanne hinter das Haus, wo man sie noch lange schneebedeckt sehen konnte. Ein oder zweimal am Tag erhielt sie dort Besuch von einem Buchfink.



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Der letzte Strohball

Erstellt 03.09.2015 11:39 von Klaus 03.09.2015 11:39 In der Kategorie Allgemein.

Die Strohballen lagen verstreut auf dem abgeernteten Getreidefeld wie gelbe Findlinge und gaben eine erste Ahnung vom nahenden Herbst.

Auf dem abschüssigen Acker machten sich irgendwann einige dieser „Räder“ auf den Weg talwärts.
Der erste kullerte gegen einen Strommast. Ein anderer landete im Vorgarten eines Hauses, dessen Bewohner verreist waren. Sie würden staunen, wenn sie zurückkämen und dem gelben Rundling ein Gesicht hinzaubern.

Ein weiterer plumpste in einen Wassergraben, wo er einen kleinen Stausee verursachte.

Der letzte rollte die Dorfstraße entlang, prallte gegen ein Auto und blieb im Straßenrestaurant des einzigen Pizzabäckers liegen. Nach dem ersten Schreck wurden daraus ein große Sitzgelegenheit und die Sensation des Dorfes. Hier trafen sich die Paare, und so manches Strohfeuer wurde entfacht.

Am Ende des Sommers fütterte der Pizzageselle seinen Ofen mit dem Stroh des Gelblings, bis nichts mehr übrig war.
Im nächsten Jahr hatten Gäste einen neuen Strohballen besorgt und er wurde ein Teil und Tradition der Pizzeria. Der Pizzabäcker änderte den Namen des Restaurants. Von nun an hieß es „Il fuoco di paglia”.



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Ein anspruchsloser Nachmittag

Erstellt 04.05.2015 23:25 von Mercutio 04.05.2015 23:25 In der Kategorie Allgemein.

Die Treppe des Todes – für Mila und Lenni

Erstellt 09.04.2015 10:56 von Klaus 09.04.2015 10:56 In der Kategorie Allgemein.

Die meisten Treppen führen von einem Stockwerk ins andere. Manche führen in den Keller oder einen Turm hinauf. Eine Treppe in den Himmel habe ich noch nicht gesehen, und eine Treppe in die Hölle gibt es nicht (obwohl manche das behaupten!). Aber eine Treppe des Todes? Ja, die gibt es, und zwar bei Opi zuhause.

Diese Treppe führt hoch in den Garten. Sie ist nur kurz, von Blumen eingerahmt und teilweise von Mos bedeckt. Für Opi ist sie manchmal ein Hindernis, wenn er Säcke voller Blumenerde für Omi nach oben tragen muß.
Auf der ganzen Treppe liegen Körner und Reste von Körnern herum, denn oberhalb der Treppe befinden sich Behälter mit Körnern und toten Maden für die Vögel, und was den Vögeln beim Fressen herunterfällt, ist ein Festessen für andere Vögel und für die Mäuse. Denn unter der Treppe lebt eine Mäusefamilie, oder zwei? Sie haben zwei Wohnungen, die sie ständig wechseln. Warum, weiß Opi nicht. - Mäuse! Vielleicht ist eine davon eine Ferienwohnung?

Eines Tages huschte eine Maus auf der Treppe herum. Es war Zeit zum Mittagessen. Sie stopfte sich ein paar Körner in die Backen und fing an zu kauen, was lustig aussah, weil dabei ihre Schnurbarthaare auf und ab wippten. Doch es sollte ihre letzte Mahlzeit sein, denn schon kam der Tod auf leisen Pfoten!

Mit erschütternder Geduld hatte Charly, unser Kater, auf diese Gelegenheit gewartet. Er saß wie eine Steinfigur regungslos oben auf der Treppe, nur sein Schwanz zuckte. Charly wußte nicht, dass das Wuselnde da unten auf der Treppe eine Maus war. Für ihn war es ein Fell, das sich bewegte, und alles, was sich bewegt, denkt Charly und nicht zu groß ist und gut riecht, kann man essen.

Opi schaute gebannt zu, wie die kleine Maus hin und her lief, um bloß kein Körnchen zu verpassen. Dann hatte sie genug und wollte in ihre Wohnung zurück, – zu spät! Opi sah nur einen Schatten, hörte ein leises Quieken und schon zappelte die Maus zwischen den Zähnen von Charly. Er biß sofort zu, die Knochen knackten und dann schluckte er die Maus kauend herunter, denn seit er älter geworden ist, ißt er die Mäuse meistens sofort, ohne mit ihnen vorher zu spielen. (Er hat sich inzwischen bei den Bremer Stattmusikanten beworben!). Nichts blieb von der Maus übrig, als hätte es sie nie gegeben.

Das Morden ging weiter. Am nächsten Tag starb eine Blaumeise, die der Kater im Sprung erwischte. Ein Grünfink wurde am Boden getötet, nur eine kleine Wolke von Federn blieb zurück und sank langsam zu Boden.

Das Schlimmste war aber der Tod des Rotkehlchens, der Liebling von Omi. Das Rotkehlchen war eine Augenweide, ihr rotes Brustkleid leuchtete in der Sonne, wenn sie federnd auf einem Zweig saß. Aber Charly kannte kein Erbarmen, für ihn saß da kein wunderbarer Vogel, sondern etwas, was er essen konnte. So kam der Tod schnell. Nie mehr sollte die rote Farbe des Rotkehlchens in der Sonne leuchten!

Wenn Omi oder Opi morgens durch das Fenster in den Garten schauen, können sie oft Herrn und Frau Dompfaff begrüßen. Sie sagen dann: „Guten Morgen, Herr und Frau Dompfaff.“ Und das Vogelehepaar grüßt mit einem Nicken zurück. Der Dompfaff wird auch Gimpel genannt. Der Mann hat eine rote Brust wie ein Bischoffskleid und sieht mit seiner Kopfplatte aus wie ein Pater im Kloster. Sie hat ein schlichtes brau-graues Federkleid. Bei den Vögeln sind die Männer oft besser gekleidet als die Frauen. Sie geben damit gerne an.

Eines Tages hüpften Herr und Frau Dompfaff zur Treppe. Omi schaute nach Charly, der jedoch lag ausgestreckt auf dem Garagendach und döste in der Sonne. "Gott-sei-Dank!" Herr und Frau Dompfaff schienen nicht in Gefahr.
Doch kaum hatte sich Omi umgedreht, hatte Charly Herrn und Frau Dompfaff erspäht und schlich sich leise ran. „Nein, bitte nicht,“ riefen Omi und Opi gleichzeitig voller Entsetzen. Bitte laß sie am Leben! Omi reagierte als erste: Im Nu war sie draußen. Sie rannte hinter Charly her und schrie:“ Charly, hau ab!“ Ungläubig schaute Charly Omi an, als wolle er das nicht glauben. Aber dann schlich er sich, scheinbar gelangweilt, wie das nur Katzen können, davon, denn Omi kann sehr laut werden und ein grimmiges Gesicht machen.
Seitdem passen wir auf, aber sicher sind die Vögel nie. Neulich sah ich sogar einen Waschbären auf der Todestreppe, der auch nach Resten des Vogelfutters suchte. Aber das ist eine andere Geschichte!



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Heute pinkelt Opi lieber im Sitzen, obwohl man dafür als Weichei beschimpft werden kann. Und das kam so:
Als Opi noch ein Junge war, ging man nicht pinkeln, sondern schiffen. Man stelle sich hin (als Junge ist das okay) und sagte: „Ich muß mal schiffen!“ und jeder in der Straßenbande wußte Bescheid.
Vielleicht kommt der Ausdruck „schiffen“ von den Seeleuten, die früher von ihren Segelschiffen ins Wasser pinkelten, weil es noch keine richtigen Toiletten gab. Das aber war gefährlich, weil man dabei ohnmächtig werden, ins Wasser fallen und dabei ertrinken kann.
Was hat Opi da gerade behauptet? Ja, man kann vom Pinkeln ohnmächtig werden! – Und ja, das kann gefährlich sein.
Und wißt ihr was? Das ist Opi auch schon passiert.
Opi liebt Boote und Schiffe. Vor einigen Jahren segelte er auf einem alten Segelschiff nach Dänemark, als er einen schmerzhaften Druck in der Blase verspürte: Es mußte pinkeln, und zwar sofort! Da er gerade das Deck schruppte, trat er an die Bordwand, schiffte ins Wasser, spürte eine große Erleichterung – und wurde ohnmächtig. Mit heruntergelassenen Hosen kippte er nach vorne auf die Reeling, so nennt man die Bordwand, und hing dort wie ein nasser Sack.
Früher sind dabei die Seeleute oft ins Wasser gefallen und ertrunken. Das kalte, nasse Wasser weckte die Seeleute zwar meistens auf, doch ertranken sie trotzdem, weil die meisten von ihnen nicht schwimmen konnten. Opi aber hatte Glück. Seine Kameraden packten ihn und brachten ihn unter Deck, wo er alsbald wieder erwachte.
Jetzt werdet ihr sagen:“ Opi, man wird nicht vom Pinkeln ohnmächtig. Das ist doch Seemannsgarn oder einer deiner Geschichten!“
Doch, es ist möglich! Die schnelle Entleerung der Blase löst ein Nervensignal aus. Der Nerv sagt dem Herzen:“ Nun mach mal halblang und schlag langsamer, während ich pinkele. Es ist anstrengend genug.“
Dadurch bekommt das Gehirn weniger Sauerstoff und macht eine kleine Pause, manchmal nur für Sekunden, selten eine Minute. Wenn du dann ins Wasser fällst und die Kälte weckt dich wieder auf, solltest du schwimmen können, sonst wird es gefährlich für dich! Im Bad könntest Du auf den Fußboden schlagen und dir eine Beule holen.
Ja, und deshalb pinkelt Opi im Sitzen!



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2 Kommentare

Verdichtung

Erstellt 31.03.2015 17:20 von Klaus 31.03.2015 17:20 In der Kategorie Allgemein.

Die Tropfen zerplatzten auf der Windschutzscheibe ihres Autos. Sonst war alles still, unwirklich.
Was machte sie eigentlich hier auf dem Parkplatz mitten in der Nacht? War sie tatsächlich aus ihrer Wohnung geflüchtet?

Ja, dieser Moment war unausweichlich. Seine Sauferei ekelte sie an. Wie unendlich satt hatte sie seine gebrummten Scheißegal- Antworten, wenn er überhaupt antwortete. So wie der Alkohol hatten sich seine Dinge in ihrer Wohnung ausgebreitet, so dass sie das Gefühl hatte, keine Luft mehr zu bekommen. Das Warten auf sein Nachhause kommen zermürbte sie. Schloß er selber auf oder hämmerte er an die Tür?

Sie hatte Angst zurückzufahren, nicht wegen seiner Alkoholwut, sondern ob dieser immer gleichen Situationen; entweder war er Dr. Jekyll oder Mr. Hyde – und nicht einmal mehr das. Jetzt war das Zusammenleben nur schlecht oder noch schlechter.

Sie starrte lange in den Regen, konnte keinen Gedanken festhalten.
Irgendwann fuhr sie zurück.

Als sie in ihr Wohnzimmer trat, warf er ihr den ersten greifbaren Gegenstand an den Kopf. Es war der Vogelkäfig ihres Sohnes, den er mit viel Mühe für sie, die Papageien liebte, gebastelt hatte. Ihr tief gebrülltes “Raus!“ erfüllte den Raum. Er starrte sie kurz an und ging dann schwankenden Schrittes hinaus; die Tür schloß er leise.

Sie fühlte sich nicht leicht aber erleichtert.
Danach stand sie noch lange am Fenster und schaute dem Regen zu, während eine Feder zu Boden schwebte.



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Test - Test - Test

Erstellt 28.12.2014 08:54 von OnlineRoman 28.12.2014 08:54 In der Kategorie Allgemein.

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  • Der Krummbaum
    Hallo nochmals, ich muss mich in diesem Forum erst noch orientieren lernen, gerne komm ich der Anregung nach, meine Kommentare für jeden Leser sichtbar abzugeben. Hallo...baroque, danke für das Lesen meiner Geschichte, trotz der vielen Worte, für den positiven sowie konstruktiven Kommentar... Weiterlesen
  • Der Krummbaum
    Ja...rizei, Tiere werden vermenschlicht, warum nicht auch Bäume! Es gibt den schiefen von Turm von Pisa, den jeder Sehen möchte; was bringt schon ein Gerader! Und hier ist es die ´ Krumme Kruba´. Kruba erinnert mich an Masuren! Ist deine Geschichte ein Märchen? Ein Gleichnis? Die Frage von Korneli... Weiterlesen


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